Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1634209
Die 
Schule 
fämische 
Raphaels 
und 
Michelangelos. 
171 
Palastes von Mantua geschmückt hat. Man kann sich kaum 
einen schlagenderen Gegensatz in diesem Sinne denken, als ihn 
seine Amor- und Psychefresken im Te, verglichen mit den Dar- 
stellungen gleichen Gegenstandes in der Farnesina, an welchen 
doch Giulio weitgehend mitgewirkt, darbieten. In dem Giganten- 
sturz eines anderen Raumes sucht dann der Künstler sogar den 
Michelangelo zu übertrumpfen, ohne jedoch mit aller Wuchtigkeit 
die Kraft Buonarottis auch nur entfernt zu erreichen. Anerkennens- 
werter erscheint in den Darstellungen aus dem trojanischen Krieg, 
welche er 1532-1538 im Stadtschloss zu Mantua ausführte, der 
Schwung stürmischer Bewegung, wie gediegene Verwertung der 
Antikenstudien, welche er zum Zwecke der Ausführung der letzten 
Stanzenbilder noch unter Raphaels Leitung gemacht hatte. Ebenso 
das eigentliche Dekorativgebiet, worin Giulio unter den Architekten 
seiner Zeit hervorragt. 
Von den übrigen Teilnehmern an den Raphaelischen Arbeiten 
erscheint Giovanni Francesco Penni (1488-1528) unselbst- 
ständiger und zahmer, übrigens ist auch kein selbsteigenes Werk 
dieses Gehilfen namhaft zu machen. Den dekorativen Teil der 
raphaelischen Schüpfungen hatten dann hauptsächlich Giovanni 
da Udine und der Florentiner Piero Buonacorso, gewähnlich 
Pierino del Vaga genannt, besorgt, wobei in Anlehnung an die 
Weise des Quattrocento sich ein Festonstil und nach den in den 
verschütteten Gernächern (Grotten) des neronischen Palastes am 
Esquilin vorgefundenen mehr tektonischen Dekorationen der so- 
genannte Grotteskenstil sich entwickelt hatte. Wir haben von 
beiden Arten einerseits in der Amor- und Psyche-Halle der 
Farnesina, anderseits in den Loggien des Vatikans bezeichrrende 
Typen. Giovanni da Udine war später nach Florenz übergesiedelt 
und schliesslich in seine friulische Heimat zurückgekehrt, wo er, 
wie auch in Venedig, mehrere dekorative Deckenwerke ausführte 
und 1564 starb. Pierino del Vaga (1500-1547) aber leistete 
ausser den Grottesken in den Loggien und im Castel S. Angelo 
auch im F igurenbild Ansprechendes, wie die Decke der Sala. Regia. 
im Vatikan, namentlich aber der reiche Schmuck des Palazzo Doria 
in Genua zeigt. 
Andere Sprüsslinge des Raphaelischen Ateliers warfen sich 
'im Gegensatze zu der Interieurdekoration der beiden Vorgenannten 
auf die Fassadenmalerei, welche sich damals einer sehr breiten 
Anwendung erfreute. An der Spitze steht Polidoro Caldara, 
von seiner Iombardischen Heimat auch Polidoro da Cara- 
vaggio genannt, gestorben 1543. Seine meist verschwundenen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.