Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1634198
170 
Italiens im 
Malerei 
Die 
Cinquecento. 
wo er bis 1551 lebte. In seinen 1518 ausgeführten Malereien 
in S. Bernardino zu Siena von seinem Meister und Mitarbeiter 
gezügelt, erscheint er später, wie namentlich in den Deckenbildern 
aus der klassischen Geschichte im Stadthaus zu Siena als ein 
zwar gewissenhaft zeichnender, aber sonst inhaltloser Manierist 
desselben Schlages, wie die Mehrzahl seiner jüngeren Zeitgenossem 
Die 
rümisehe Sehule Raphaels 
Miehelangelos. 
and 
Der Künstlerkreis, welcher aus der umfassenden Thätigkeit 
der beiden grossen Kunstheroen in Rom erwachsen war, ist der 
Zahl nach ein sehr bedeutender gewesen. Namentlich Raphae] 
hatte eine Schar von Leuten um sich versammelt, welche, mochten 
sie nun schon vorgebildet sich ihm genähert, oder ihre ersten 
Schritte in der Kunst unter seiner Leitung gemacht haben, 3,113 
soweit in seine Bahn gelenkt wurden, als es ihre Veranlagung 
zuliess. Aber gerade wegen ihres Preisgebens aller eigenen Pep 
sünlichkeit -bieten alle Raphaeliten verhältnismässig wenig In- 
teresse dar. 
Der hervorragendste Schüler, Gehilfe ünd Nachfolger des 
Urbinaten ist Giulio Pippi (d. h. der Sohn deswFilippo), be_ 
kannter unter dem Namen Giulio Romano. Ihm war, wie wir 
gesehen, in den letzten Lebensjahren des Meisters mehr und mem- 
zugefallen, sowohl hinsichtlich der Ausführung von Staffeleibildem 
nach Raphael Zeichnungen, wie in der Übertragung der K0m_ 
positionen desselben auf die Wand, ja selbst zunächst auf den 
Karton. Seine Gewandtheit machte manche Fertigstellung in un_ 
glaublich kurzer Zeit müglich, was bei Raphaels Überbürdung 
diesem wohl erwünscht sein mochte, aber auch manche K0m_ 
position desselben durch den Hang des Gehilfen zu Derbheit und 
Schwere, zu dekorativer Flüchtigkeit und russiger Schattengebung 
schwer geschädigt hat. Solange jedoch Giulio unter Raphaels 
Augen arbeitete, zügelte der Meister seine faustfertigen Extra- 
vaganzen, wie auch nach 1520 der selbständig gewordene Ge- 
hilfe noch bis zu einem gewissen Grade von dem reichen küngp 
lerischen Nachlasse des Urbinaten zu zehren vermochte (K1. B. 2  
Versagte jedoch der Vorrat, so wurde Giulio roh, ja gemein, wie 
dies insbesondere die Fresken zeigen, mit welchen er den von 
ihm selbst nach 1524 für den Herzog Federigo in Mantua ge- 
bauten suburbanen Palazzo del Te oder einige Räume des alten
        

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