Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632549
Einleitung. 
"und in den schlanken Stützen mehr zu ornamentaler Polychromie 
Gelegenheit gab. Anderseits aber auch dem Inhalte nach, durch 
vdas nunmehrige Überwiegen der lyrischen Richtung über den 
fepisch didaktischen Darstellungskreis der romanischen Periode, 
wie er der ritterlichen und bürgerlichen Laienkunst der gotischen 
Zeit im Gegensatz zu der münchischen der vorausgegangenen 
entsprechend schien. Ausserdem erscheint es ganz natürlich, dass 
namentlich in den Rheinlanden mit den architektonischen Ein- 
Hüssen Frankreichs auch die dekorativen gleichen Schritt hielten 
und dass damit mancher eigene nationale Vorzug geopfert ward. 
Umfänglichere Arbeiten sind überdies jetzt sehr selten, die aus 
dem Anfnng des 14. Jahrhunderts stammenden Malereien der 
Kirche von Ramersdorf im Siebengebirge seit dem Abbruch der 
Kirche nur mehr in Copien erhalten, so dass nunmehr unter 
grüsseren Werken kaum mehr als die jenen zeitlich und stilistisch 
folgenden Malereien der Chorschranken des Domes von Küln in 
Betracht gezogen werden kännen, neben welchen die Gewülbe- 
Ämalereien der Krypta im Baseler Münster oder die Szenen ans 
{der Arbogastlegende der Kirche zu Oberwinterthur fühlbar zurück- 
stehen. Erhaltene Profanmalereien einiger Burgen aber, wie 
namentlich jene des Schlosses Runkelstein in Tirol, erscheinen 
nach Inhalt und Darstellung wie Vergrässerungen des Miniatur- 
schmuckes gleichzeitiger Handschriften. 
In demselben Masse jedoch, in welchem der Betrieb des 
Bilder-Wandschmuckes verschrumpfte, erblühte die durch die 
konstruktiven Neuerungen der gotischen Architektur gefärderte 
"Glasmalerei. Ihre in Reims und Tegernsee bis zum Ende des 
IO. jahrhunderts zurückzuverfolgenden Anfänge waren in Deutsch- 
land über ein Jahrhundert lang hüchst roh und kümlnerlich 
gewesen, sowie dies die fünf erhaltenen Fenster des Doms zu 
Augsburg aus der zweiten Hälfte des 11. Iahrhunderts zeigen. 
Der entschiedene Fortschritt der "sogenannten Übergangszeit verrät 
-dann eine zu deutliche Abhängigkeit von den franzüsischen Werk- 
fstätten, speziell von den Glasmalereihütten von Chartres und 
fParis, als dass an den erhaltenen Werken von Heiligenkreuz in 
lÜsterreich, von Bücken an der Weser, von Legden und Soest 
fin Westphalen und zu S. Kunibert in Küln etwas eigenartig 
Nationales hervorgehoben werden kännte. Erst in der Blüte- 
zeit der deutschen Gotik entfaltete sich auch in der Glastechnik 
jener glänzende speziell deutsche Stil, der selbst die Leistungen 
des Heimatlandes der Gotik übertrifft und bis zum Anfang des 
16. Jahrhunderts vorhält.
        

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