Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1634003
Michelangelo 
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potenzieren konnte. Liebreiz und Stimmung hatten dabei wenig 
zu thun, noch weniger ein eigentlich 1na1erisches Element; er 
modellierte um nicht zu sagen meisselte mit dem Pinsel. Man 
kännte denken, dass Äfielleicht Lionardos Reiterstatue des Lodovico 
Sforza. malerisch empfunden war, man kann aber gar nicht zweifeln, 
dass Michelangelos Deckenmalereien plastisch gedacht sind. 
Während Michelangelo als Bildhauer seine früheren Arbeiten, 
selbst die Pietä und den David später durch den Moses und die 
Mediceergräber noch überbot, hatte er als Maler in der Sistina- 
Decke seinen Hähepunkt erreicht. Er liess darauf zweijahrzehnte 
verstreichen, ohne selbst wieder einen umfänglicheren Gebrauch 
von seinem Pinsel zu machen, und als er endlich 1535-1541 
die Malereien der sistinischen Kapelle mit dem grossen sjüngsten 
Gerichta der Altarwand abschloss, machte sich dem frischen Erguss 
der Deckengemälde gegenüber schon einige Gequältheit und dazu 
in der kmftvollen Manifestation von Kürperlichkeit und Bewegung 
eine Absichtlichkeit bemerklich, welche uns an den Sibyllen und 
Propheten, ja selbst an den Dekorativfiguren nicht auffällt. Ein 
entschiedenes Sinken aber zeigen die zwischen 1542 und 
1550 für Papst Paul III. ausgeführten Wandgemälde der Capeila 
Paolina im Vatikan, die wBekehrung des Saulusa und das vMar- 
tyrium Petrica darstellend. Dabei ist wohl weniger die zunehmende 
Entfremdung und Abneigung des Künstlers der Malerei gegenüber, 
wie sie bei überwiegender und bevorzugter Beschäftigung mit der 
Plastik und zuletzt mit der Baukunst allerdings entstehen konnte, 
als Erklärungsgrund geltend zu machen, und wohl auch nicht die 
sich steigernde Konsequenz seines plastischen Stiles, als vielmehr 
die Einwirkung seines sich mehr und mehr verdüsternden Alters. 
Schon die Kompositionen sind geringer: der kopfüber erscheinende 
Christus, umgeben von strahlenfürmig angeordneten Engelsjünglingen 
und das schlecht gezeichnete Hiehende Pferd in der Mitte des 
Saulusbildes, oder die verrenkte Gestalt des gekreuzigten Petrus 
auf dem anderen Werke lassen sie im Vergleich zur Sistinadecke 
in sehr unvorteilhaftem Lichte erscheinen. Von hoher Schünheit 
aber scheinen stets die Studienblätter geblieben zu sein, von 
welchen die Sammlungen in Oxford und Windsor, in Wien 
(Albertina) Venedig (Akademie) undMailand(An1brosiana) zahlreiche 
besitzen. Doch zeigen auch sie, dass sich der Künstler bei seinen 
späteren Arbeiten des Naturstudiums nicht selten gänzlich entschlug. 
Michelangelo starb am 19. Februar 1563 im Alter von 88 Jahren 
zu Rom, und wurde in S. Croce zu Florenz bestattet.
        

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