Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei vom Anfang des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1632113
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1633847
Franken. 
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Empore einer linken Seitenkapelle von S. Lorenz in Nürnberg, im 
Mittelbild die wKrünung Mariäa und xzwei Apostek auf den Flügeln 
darstellend, als das mittlere, der xPassionsaltara von 142g aus Bam- 
berg, jetzt im Nationalmuseum zu München,_ als das jüngere der 
drei Hauptwerke zu betrachten sein. Ohne sicher von einer 
Hnnd zu stammen, verraten sie doch zwei gemeinsame Eigen- 
schaften, einerseits das stilistische Anlehnen an die statuarische 
Steinplastik, wie sie vornehmlich in der Vorhalle der Frauenkirche 
oder in dem Schänen Brunnen cntgegentritt, und anderseits Ver- 
wandtschaft mit den gleichzeitigen Kälner Arbeiten, welche die 
damals herrschende Richtung der Wanderschaften und des Gesellen- 
zuges bezeugt. Der Realismxls ist noch schwach, stärker die Wiedergabe 
des Ausdrucks in den typischen Idealküpfen wie in der Bewegung. 
Während sich aber eine Anzahl von anderen Gemälden in 
 Lorenz und S. Jakob zu Nürnberg, wie im National-Museum 
daselbst und in München, und in den Galerien zu Augsburg und 
Breslau, von welchen hier nur die datierte von Walpurg Prünsterin 
gestiftete Tafel von 1434(Ger1n. Musemn zu Nürnberg) hervor- 
gehoben werden soll, sich stilistisch an die Imhof-Gruppe anlehnt, 
macht sich gleichzeitig eine andere Gemäldegruppe derberen und 
kräftigeren Stils bemerklich, bei welcher im Gegensatze zu dem 
külnischen Einflusse eher an bühmische Einwirkung der Richtung 
des Meisters Nicolaus Wurmser und des Theodorich von Prag zu 
denken ist. Hieher gehüren der vvBethlehemitische Kindermorda. 
und die wBestattung Mariensa im Germanischen Museum zu Nürn- 
berg, deren grobe und empündungslose Darstellung freilich künst- 
lerisch ebenso tief steht, wie das grelle und bunte Kolorit. Ander- 
seits aber auch eine hochbedeutende Schüpfung, nämlich das 
T uchersche Altarwerk in der Frauenkirche zu Nürnberg, im Mittel- 
bild wChristus am Kreuz zwischen Maria und Johannesa nebst der 
wVcrkündigunga und wAuferstehungza beiderseits, auf den Innen- 
seiten der Flügel vAugustinus und Monika, und die Eremiten 
Paulus und Antoniusa darstellend. Die Figuren sind kurz und 
gedruhgen, die Küpfe, Hände und Füsse gross und derb, der 
Ausdruck jedoch von ernster Tiefe, die Gewandung weich und 
grossartig. Die auffallendc Unabhängigkeit von plastischen Vor- 
bildern bei unmittelbarer Naturbeobachtwung und die selbständige 
malerische Awuffassung und tonige Farbenstimmung aber lässt bei 
dem Meister des Tucherschen zXltars geradezu an einen Vor- 
läufer" Grünewalds denken. 
Um die Mitte des 15. Iahrhunderts tritt- an die Stelle des 
steinplastischen Stils der Imhof-Grxlppe der Holzschnitzstil, wie
        

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