Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Ursprung und die Bedeutung der Doppelchöre
Person:
Holtzinger, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620096
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620539
Doppelchöre 
Nonnenklöstern. 
Die im Folgenden zu behandelnden Monumente weichen von dem Complex 
der bisher betrachteten in wesentlichen Stücken ab. Local beschränken sie 
sich auf das nördliche und mittlere Deutschland; zeitlich müssen wir bis in 
das neunte Jahrhundert zurückgreifen. Meist werden wir wiederum Erzeugnisse 
der bewundernswerthen Bauthätigkeit des Benedictinerordens treffen. So stiftete 
in der zweiten Hälfte des neunten jahrhunderts ein Bischof Alfrid aus dem 
schon erwähnten Kloster Hildesheim das Nonnenkloster Essen, dessen Kirche 
im Jahre 874 vollendet wurde. Architektonisch ist dieselbe eines der inter- 
essantesten und bekanntesten Denkmäler und zwar hauptsächlich wegen des 
hier in Betracht kommenden Theiles, des Westbaues. Dieser ist in Nachbildung 
der karolingischen Schlosskapelle zu Aachen in Gestalt eines Halbpolygons 
dem dreischiffrgen Langharlse vorgelegt; aber hier soll dieser chorartige Vorbau 
kein (irab oder keinen Altar eines Schutzpatrons verherrlichen, sondern eine 
Empore umschliessen, die sich vielleicht noch über die Seitenschiffe ausdehnte, 
auf der die Nonnen des Stiftes ihre abgesonderten Sitze erhielten mit dem 
freien Blick auf das gegenüberbefmdliche Sancttlarium.  Diese Anordnung 
einer Empore an der westlichen Schmalseite blieb nicht vereinzelt. ln der 
dem Westbau von Essen ziemlich gleichzeitigen Stiftskirche zu Gernrode 
am Harz dürfen wir die gleiche Einrichtung annehmen. An den westlichen 
Wandpfeilern des Mittelschiffes sind hier Ansätze von (lewölbebögen nach- 
gewiesen, welche eine westliche Eingangshalle überspannten und eine Empore 
trugen, die sich nach dem Mittelschiff hin öffnete und mit den Emporen der 
Seitenschiffe in Verbindung stand. Gerade in den Nonnenklöstern des Bene- 
dictinerordens begegnen wir einer solchen westlichen Empore sehr häufig. ln 
ganz ähnlicher Anlage wie in (jernrode ist sie nachgewiesen in den Stifts- 
kirchen zu (Jandersheim (nach 1073), zu Breitenau in Hessen (1142) und zu 
(Quedlinburg {nach 1070). Die in (lernrode dem westlichen 'l"hurmbai1 vor-
        

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