Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Ursprung und die Bedeutung der Doppelchöre
Person:
Holtzinger, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620096
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620509
Doppelcluärige 
Kirchen 
V0 T11 
elften 
vierzehnte 
Jahrhundert. 
linden wir im Dorn zu Nairniburg. Wenn Förster, der ebenfalls beide Kirchen 
mit Rücksicht auf den Westchor vergleicht, behauptet, die Anlage eines (jhores 
sei wesentlich bedingt durch die darunter beündliche Krypta, und ein zweiter 
Chor nur die Folge einer zweiten Krypta, so wird nach den Beispielen von 
Ccntula und anderen Kirchen der Ausdruck „nur die Folge" wohl besser in 
"häufig die Folge" zu ändern sein. Dagegen wird auf (lrund der ausführ- 
lichen Darlegung bei Puttrich  jeder der Annahme Försters beistinnnen, dass 
der Naumburger Dorn im Westen ursprünglich anders geschlossen gewesen sein 
muss, als durch den jetzigen, frühgothischeil Chor. Die an den Westthtirmeir 
sichtbare Fuge deutet klar auf einen Mauerabbruch. Försters Vermuthung, 
dass ursprünglich die Absicht bestanden habe, zwischen den beiden West- 
thürmen die Kirche abzuschliessen und hierher den Haupteingang zu verlegen, 
wird unterstützt durch die von Förster mitgetheilte Stelle aus einer alten Dom- 
beschreibung, welche die Plinweihuirg derart schildert, "dass zu derselben nur 
ein Portal passt, wie es die Kirche jetzt nicht hat und wie es wahrscheinlich 
vor der Erbauung des Vliestchores an der Westseite bestanden". Ueber Be- 
stimmung und Plrbauungszeit des jetzigen Westchores sind wir durch einen im 
Nauniburger Doniarchiv autbewahrten Brief des BischofsDietrich, vom jahre 1249, 
genau unterrichtet. 2) Darnach hat dieser Bischof den Westchor erbaut „zu1n 
Ehren- und Grabdenkmal der Stifter und ersten Förderer des DOmGS und ihn 
mit diesen unter den besonderen Schutz der Madonna gestellt", wie noch 
heute sein Name "Marienchor" bezeugt. 
Für zwei jetzt zu behandelnde Monumente, die Kirchen St. Michael und 
St. Godehard in Hildesheim, könnten wir eine Anknüpfung an den Anfang 
unserer Untersuchung darin finden, dass wir uns wieder einer jener grossen 
Abteien des Benedictinerorclens nähern, dessen Thätigkeit auf dem Gebiete 
der Baukunst Jahrhunderte hindurch tonangebeird war. Der Bautradition dieses 
Ordens schreiben wir auch hier den äusseren Anlass zur doppelchörigen An- 
lage jener beiden Kirchen zu, wobei ein specielles lokales Bedürfniss diese 
abnorme Form mag als wünseheriswerth haben erscheinen lassen. l)ie ältere 
Kirche, St. Michael, ist von Bischof Bernward (993-1002) erbaut. Die 
Chroniken jener Zeit beschäftigen sich im Ganzen mehr mit der Schilderung 
des kostbaren Kunsthandwerkes und den Plrzeugnissen der Kleinkunst wie den 
plastischen Werken, die unter der Leitung des kunstsinxiigen Bernward ent- 
standen, als mit der Beschreibung seiner architektonischen Schöpfungen. In 
läeztlg auf die Michaelskirche haben technische Untersuchungen elwiesenit), 
dass von dem Bernwardischen Bau die beiden Querschiffe mit dem Langhause 
Denkmalc der Baukunst in Sachsen, 
s. Förster a. a. O. Bd. IV, S. 1-9, 
Kuglcr, Baukunst, lädrll, S. 369 ffÄ, 
Ablheilung 
393 ff,
        

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