Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Ursprung und die Bedeutung der Doppelchöre
Person:
Holtzinger, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620096
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620488
Doppelchürige 
Kirchen 
V0 I'll 
elften 
bis ins 
vierzehnte 
[ahrhunderh 
Eindrilck spiegelte sich wieder in seinem Dombau, bei dem die mannigfachsteil 
Anklänge an Augsburg in den Details wie im Grundplan nachzuweisen sind. 
Das Letztere gilt gleichfalls von der Kirche des Frauenstiftes Obermiinster 
zu Regensburg, und zwar in einem solchen Grade, dass wir hier eine Ab- 
hängigkeit von Augsburg als sicher hinstellen dürfen. Die Erbauungszeit dieser 
Kirche fällt kurz nach der des Augsburger Domes. Auch hier wiederholt sich 
vor dem westlichen Chore das Querschiff. Der gleichen Eigenthümlichkeit be- 
gegnen wir in_Regensburg noch an der doppelchörigen Kirche St, Emmeran. 
Dieser Bau erhielt eine westliche Krypta durch Abt Ramwold (980), um zahl- 
reiche Reliquien zu bergen. Nach einem Brande und neuer Weihe wurde hier 
1052 der Leichnam des heil. Wolfgang beigesetzt. Dass die 980 geweihte 
Krypta schon einen Chorbau getragen, wird nicht berichtet, ist aber selbst- 
verständlich. Will man dem (lamaligen Abt Ramwold nicht die selbständige 
Erfindung dieser Anlage zuschreiben, so darf man wohl die ähnliche Disposition 
anderer Kirchen als Vorbild hinstellen, zumal in denselben Jahren die Afrakirche 
des nicht allzu fernen Augsburg ihren Westchor erhielt. 
Auf bayrischem Boden bleiben uns jetzt noch drei Denkmäler zu be- 
sprechen, die Kirche zu Nabburg in der Oberpfalz, die Sebalduskirche in Nürn- 
berg und die jakobskirche zu Rothenburg an der 'l'auber. 
Die Kirche zu Nabburg ist für unsere Frage eines der jüngsten Monu: 
mente. Der Bau begann, nach Verlegung des Pfarrsitzes von Perschen, in der 
zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts. Sighart vermuthet, dass der Bau 
von der Regensburger Bauhütte ausgeführt worden, da auch die Pfarre zum 
dortigen Domkapitel gehörte. Der Westchor, über dessen Bestimmung jede 
Nachricht fehlt, sei vielleicht als Kapelle für die Reliquien einer der Be- 
gleiterinnen der heil. Ursula errichtet. Das in Bayern überhaupt häufige und 
zumal in Regensburg an zwei Kirchen auftretende Motiv des zweiten Chores 
mag hier eingewirkt und sich als ivillkommenes Mittel zur Verherrlichung jener 
Reliquien geboten haben. 
Wie Nabburg gehört auch die Sebalduskirche zu Nürnberg schon der 
sogenannten Uebergangszeit und zum 'l'heil der Gothik an. Die Stiftung fällt 
in den Anfang des dreizehnten jahrhunderts, allein der Ausbau zog sich lange 
hin. Wie in ihrer Baugeschichte wiederholt der Name des BiSChUfS Hßinrich 
von Bamberg erscheint, so weisen auch Einzelheiten des Gebäudes entschieden 
auf den Plintluss Bambergs hin. So „st0ssen die Seitenschiffe hier wie dort 
auf zwei quadratische Westthtirme, die zwischen sich einen rechteckigen Raum 
einschlicssien, welcher, wie der Ostchor von Bamberg, mit dem durch Hülfs- 
gurte quer getheilten, aus sechs Kappen bestehenden charaktefistiSChßn (le- 
wölbe tiberspannt istßl) Ebenso ist die Wölbung der Ap-SiS 118'311 dem in 
Utte,
        

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