Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Ursprung und die Bedeutung der Doppelchöre
Person:
Holtzinger, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620096
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620401
VOm 
Doppelchöre 
achten 
elfte 
Jahrhundert. 
anfangs zu seiner Ruhestätte bestimmt hatte. Es ist nun die Frage, 
zu diesem Zwecke von vorneherein eine westliche Apsis erbaut hat. 
Adler auf Grund der beiden Thüren annimmt. 
ob Egino 
wie dies 
Was sollte, so müssen wir fragen, Egino zu dieser damals noch ungewöhn- 
lichen, abweichenden Form veranlasst haben? Das einzige Vorbild konnte 
ihm Centula bieten. Wollen wir uns mit der Annahme eines freilich nicht 
unmöglichen, aber durch nichts bezeugten Einflusses jenes Klosters nicht be- 
gnügen, so bleiben uns nur zwei Wege, die abnorme Anlage der westlichen 
Apsis in Niederzell zu erklären. Der erste dieser Wege geht von der Annahme 
aus, dass die Wcstapsis in Niederzell zum Zwecke einer Grabstätte selbständig 
erfunden ist, wie wir einem Analogon dieses Falles im Plingange unserer Unter- 
fuchung in Orleansville an der Basilika des Reparatus begegneten. Ein zweiter 
Weg nöthigt uns, die Adlcrsche Hypothese zu erweitern. Adlcr selbst versucht 
keine Erklärung des Motives, das hier zur Anlage der von ihm nur vermutheten 
Apsis geführt haben könnte, ihn zwingen nur jene Zugänge zu den Seiten- 
schiffen, am Westabschluss des Mittelschiffes keinen Eingang, sondern ein 
anderes Bauglied anzunehmen, als welches ihm eine Apsis als (Jrabnische das 
Nächstliegende scheint. Halten wir nun mit Adler auch im Allgemeinen an 
dem von ihm aus der Structur jener Thüren gefolgerten hohen Alter derselben 
fest, so fühlen wir uns doch nicht behindert, dasselbe um wenige Jahre unter 
den angenommenen Zeitpunkt (799 ä8o2) herabzusetzen, um unserer Vermuthung 
Raum zu bieten, dass die Thüren nicht schon dem ursprünglichen, 802 schon 
vollendeten Bau des Egino angehörten, der vielmehr gemäss der üblichen 
basilikalen Anordnung ein Hauptportal in der Mitte der westlichen Schmal- 
seite zeigte, sondern dass erst zwei oder drei Decennien später 1) dies Portal 
einer Apsis hat weichen müssen, nachdem man in dem benachbarten St. Gallen, 
das in regem Verkehr mit Reichenau stand, ein Vorbild jener aus Centula 
stammenden Anlage mit doppelten Apsiden erhalten hatte, worin ein will- 
kommenes Mittel gegeben war, den bis dahin vielleicht (vgl. Fulda) im Mittel- 
schiff aufgestellt gewesenen Sarkophag des Egino an einen den Cultus weniger 
behindenden und doch bemerkenswerthen Platz zu bringen. Diese Anlage der 
Westapsis musste natürlich einen anderen Eingang bedingen, und so lässt sich 
immer noch das von Adler jaostulirte hohe Alter der Seitenschiffeingänge retten, 
das wir nur um wenige Decennien herabgerückt haben. 
Gestehen wir das Hypothetische unserer Ausführung, so dürfen wir doch 
ihre Möglichkeit betonen, durch die, wenn sie sich zur Gewissheit erheben 
könnte, ein Zusammenhang des soeben geprüften Monumentes mit den übrigen 
im bisherigen Gange unserer Untersuchung gewonnen wäre. 
dass 
I) Wir erinnern daran, dass 8:0 der Bauplan von St. Gallen angefertigt ward, sowie 
836 Abt Erlenbald von Reichenau der Einweihung jener Klosterkirche beiwohnte,
        

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