Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Ursprung und die Bedeutung der Doppelchöre
Person:
Holtzinger, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620096
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620390
bis 
achten 
VOIII 
Doppelchöre 
ins 
elfte Jahrhundert, 
13 
Länge der Kirche zu trennen, durch das Beispiel von Centula thatsächlich 
widerlegt, während andererseits Schnaases Bemerkung, dass man zu diesem 
Zwecke keiner zweiten Apsis bedurft hätte, eben durch die Beispiele von 
Centula und St. Gallen durchaus bestätigt wird, da in beiden Kirchen der 
Chor sich nicht in der Apsis aufstellen sollte, sondern in dem unmittelbar 
davor belegenen quadratischen Raum. 
I)en bisher untersuchten Kirchen schliessen wir hier am joasseirdsten den 
alten Dom von Cöln an. Im Jahre 814, zur Zeit, als sich der Einiiuss 
von Centula so rasch und weit über die fränkischen und die benachbarten 
Benedictinerklöster verbreitete, begann man hier mit dem Neubau der alten 
Kathedrale, und die uns überlieferte doppelchörige Anlage ist wohl lediglich 
dieäenl Einfluss Centulas zuzuschreiben, der ja die gleichen Folgen in Fulda 
und St Gallen aufweist. Die Widmung des Ostchores zu Ehren des Petrus und 
des Westchores zu Ehren der Maria wird vielleicht wiederum auf dem Wunsche 
beruhen, dem älteren wie dem neuen Schutzpatron gleiche Ehre zu erweisen. 1) 
UIISeTe Untersuchung führt uns jetzt von Cöln rheinaufwärts zum Boden- 
See llaCh de? "Augia dives", der Insel Reichenau, deren Benedictinerkloster 
im Jahre 724 von Pirmin gegründet wurde. l") Von (len drei noch erhaltenen 
Monumenten beschäftigt uns zunächst die kleine Kirche St. Peter und Paul 
zu Unterzell oder Niederzell. In ihrer heutigen Gestalt erscheint diese am 
nördlichen Ende der Insel belegene Kirche als dreischiffiger Bau mit drei 
öSÜiChen, nach aussen geradlinig geschlossenen Apsiden und einer westlichen 
Vorhalle. Nach Adler ist von dem westlichen Langhause der ganze Osttheil 
zu trennen. Das höhere Alter des_ letzteren beweisen schon die beiden Thüren 
hinter den Seitensehiffältären, welche Lirsprünglich ins Freie oder in einen Vorhof 
geführt haben 8011611 Die jetzt die Nebenchöre vom Hauptchor trennenden 
Mauern verwandelt Adler in je drei Arkaden mit Obermauern. So erhalten 
Wir eine Kirche V0I1 Sehr kleiner Form, zu der die genannten Thiiren in der 
Westmauer den Eingang bildeten, "Ihre Existenz in den Seitenschiffen be- 
hindert aber bei der Kleinheit der Anlage die Annahme einer dritten Haupt- 
thüT in der Westseite des Mittelschiffes. Es liegt nahe, statt der Thür eine 
westliche Apsis anzunehmen." Diese Hypothese gründet Adler auf eine histo- 
fische Thatsache. 1111 Jahre 799 liess sich der bisherige Verwalter des Bis- 
thllmS Verona, Egille, im Kloster Reichenau nieder und gründete für sechs 
Chorherren die Probstei St. Peter und Paul zu Niederzell. Nach seinem schon 
302 erfelgten Tode Ward Egino in seiner Stiftung begraben, die er gleich 
K 
I) Orte, a._ a. o. s. 92- Anm 
2) Wir stützen uns hier im Wesentlichen auf die Untersuchungen von Adler, in Erbkams 
Zeitschrift für Bauwesen, 1869, Bd. I9. Atlas Tafel 6 5-69, sowie auf eigene Prüfung an Ort 
und Stell; 
        

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