Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über den Ursprung und die Bedeutung der Doppelchöre
Person:
Holtzinger, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620096
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1620368
I0 
achten 
vom 
Doppelchöre 
elfte 
ins 
bis 
Jahrhundert. 
War der Salvator der Schutzpatron der früheren Kirche und war der Neu- 
bau unternommen, um das Grab des Richaritis zu verherrlichen, das jetzt mit 
dessen Altar den Ehrenplatz im Ostchor erhalten, so musste man nun, wollte 
man die Kirche auch fernerhin unter den Schutz des Salvator stellen, die Stätte 
seiner Verehrung derjenigen des neu hinzugetreteneir 'l'itularheiligen, des Richarius, 
gleich gestalten, und dafür bot sich nur ein Ausweg: dem bisherigen Chor 
gegenüber im Westen ein zweites Sanctuarium zu errichten, eine Apsis und vor 
derselben einen dem östlichen gleichen als turris bezeichneten Raum (turris 
occidentalis orientali aequalis). 
So hat hier das Streben, den Altären zweier Schutzpatrone eine gleich 
ehrenvolle und bemerkenswerte Aufstellung zu geben, zur Verdoppelung des 
Chores geführt, die in dieser Klosterkirche mit den Eingängen an den Lang- 
seiten auf das Gefühl harmonischer Ratimanlage weniger störend wirkte, als 
dies bei späteren Wiederholungen an freistehenden Kathedralen der Fall sein 
musste. (vgl. S. 2 ff.) 
Von Centula führt uns der Gang unserer Untersuchung nach dem bisher 
als Heimat der Doppelchöre angesehenen Fulda. Dies Kloster, eine Gründung 
des Bonifacius aus dem Jahre 744, besass, wie Centula, eine dem Salvator ge- 
weihte Hauptkirche und, wie ebenfalls in jenem fränkischen Kloster, eine zweite 
Kirche unter dem Schutze der Maria. Eine kreuzförmige Anlage der Salvator- 
kirche ist nicht mit Bestimmtheit zu enveisen, keinenfalls besass der älteste 
Bau einen westlichen Chor. Abt Baugulf (seit 779) versah die Kirche mit 
einem östlichen Querschiff und Chor und zwar unter dem Beistande des bau- 
verständigen ("sapiens architectus") Ratger, der, nach Baugulfs Tode (802) 
selbst mit der Würde des Abtes bekleidet, eine gleiche Anlage im Westen der 
Kirche hinzufügte. l) Sein Nachfolger Eigil legte unter jedem Chor eine Krypta 
an, und im Jahre 819 wurde der Sarkophag des Bonifacius, der bis dahin in 
der Vierung gestanden, 3) in die westliche Krypta übertragen. 
Die Annahme fränkischen Einflusses scheint durch die ganze Anlage dieser 
Kirche ausser Zweifel gesetzt. Dazu melden die Chroniken, wie in neuen Ab- 
teien baukundige Mönche sich oft aus den entlegensten Klöstern Rath erholten, 
wie sie überall Kenntnisse der Bautechnik zu sammeln, kostbares Material her- 
beizuschaffen und Reliquien zur Verherrlichung des neuen Baues zu erwerben 
suchten. So ward der spätere Abt Sturm durch Bonifacius von Fulda aus nach 
Italien gesandt, um im Mutterkloster seines Ordens, in Monte Casino, klöster- 
liche Einrichtungen kennen zu lernen, und wenige Jahre darauf verwandte der- 
selbe Sturm seine Verbannung nach dem fränkischen Kloster Gemeticum zur 
I) "Occidentäle templum mira arte et immense. magnitudinc altcri copulans unam Iecit 
ecclesiam." cf. Brower, Index Abb.; Not. ad Rhaban. poema XIII. 
2) cf. Vita. Eigilis abb. Fuld., MabiIIon, 1. c. IV, p. 253: "tumha. martyris, quae tunc 
noscitur in medio consistere templo", und: „ad crucem, ubi martyr Bonif. primum fuerat tumulatus,"
        

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