Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1625318
XXXVI. 
ITALIEN 
wKztnalfähre bei Sta. Magheritaa und wAuf der PiQZCtIRe waren 
Gegenstand enthusiastischer Bewunderung. Die ganze venezianische 
Gesellschaft des Zeitalters der Goldoni, Gozzi und Casanova War in 
diesem Bilde lebendig geworden und bewegte sich in der Pro- 
menadenstunde auf dem glatten Fliesenpflaster der Piazetta vom 
Dogenpalast zur Bibliothek, vom Marcusplatz zur Löwen- und 
Theodorsäule auf und ab in wogendem Leben. Man lorgnettirte, 
begrüsste chevaleresk die Königinnen der Schönheit. Der reizende 
Wunderbau des Sansovino, die Loggetta mit ihren hellfarbigen 
Marmorsäulen, schwarzgrauen Bronzestatuen und herrlichen Gitter- 
thüren bildete den Hintergrund der stehenden und wandelnden 
Gruppen, deren bunte Costüme sichmit den Marmor- und Bronze- 
tönen zum schönsten coloristischen Bouquet vereinten. Favretto 
hatte eine Art für sich, und obwohl zur Schule Fortunys gehörig, 
war er doch kräftiger, gesunder als dieser. Er zeichnete als echter 
Maler ohne allzuviel Fortunysches Feuerwerk. Seine fette, weiche 
Malerei war die eines vornehmen Coloristen, stets geschmackvoll, 
von exquisitem Ton und leichter, appetitlicher Mache. 
Durch die andern italienischen Costümmaler wurde die von 
Fortuny gespielte Scala nicht um neue Noten bereichert. Ihre meisten 
Bilder sind nichtige, kokett spielende Tändeleien, zwar von meister- 
licher Technik, doch so inhaltlos, dass sie dem Gedächtniss ent- 
schwinden, wie Romane, die man während der Fahrt im Eisenbahn- 
wagen liest. Viele haben keine grössere YVichtiglteit als Roben, 
Mäntel und Hüte, die während ein paar Wochen der Saison von 
den Damen getragen werden. Zuweilen ist die Bedeutung sogar 
geringer, denn es gibt Modistinnen und Schneiderinnen, die mehr 
Geschick haben, Falten zu legen und Farben zu nüanciren. Ein 
Theilchen von Favrettos elegantem Geschmack scheint auf den 
Venezianer Antonio Lonza fibergegangen, der zwischen die bunten, 
malerischen "Trachten der Rococozeit gern noch die schimmernde 
Farbenpracht orientalischer Teppiche, Fächer und Schirme mischt: 
Japaner, die in koketten Rococogärten vor dem alten venezianischen 
Adel sich als Gaukler oder Messerwerfer produciren. Doch das 
Centrum dieser Costümmzllerei ist Florenz, die grosse Markthalle 
dafür die Societa artistica, wo die jährlichen Ausstellungen statt- 
finden. Francesco Vinea, Tito Conti, Federigo Andreotti und 
Eduardo Gelli sind die eigentlichen Fabrikanten in Italien, die mit 
Meissoniers, Gerömes und Fortunys Hilfe sich auf Scenen aus dem
        

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