Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1625139
XXXV. 
SPANII 
nicht nur mit Stalfeleibildcrn das bürgerliche Haus oder das Boudoir 
der Schönen, sie erinnert auch in ihren Gemälden an die grossen Epi- 
soden der Volksgeschichte, die geeignet sind, zu ruhmreichen Thaten 
zu begeistern. Streng, wie der nationale Charakter, forciert sie, dass 
der feine Geschmack sich nicht herablasse, das Unanstandige zu 
malen. Wir wollen hauptsächlich grosse Gemälde für die Museen; 
der Geschäftsgeist ist nicht tinser Meister. Auf solche Weise lebt der 
lRuhm Zurbarans, Murillos, Velazqueß in neuem Geiste wieder älklfs. 
Das Ergebniss dieser Bemühungen Waren jene Historienbilder, 
die auf der Pariser Weltausstellung 1878, der Münchener Inter- 
nationalen 1883 und seitdem auf jeder grössern Ausstellung sich zum 
höchsten Labsal aller Freunde der Geschichtsilltistration auf wahr- 
haft spanischen Flächen ausdehnten. Auf der Pariser Weltausstellung 
1878 erhielt Pradilltzs vjohanna die Wahnsinnigee die grosse goldene 
Medaille, ein gutes Bild im Sinne von Laurens. Philipp der Schöne 
ist todt. Der Leichenzug, der ihm das letzte Geleite gibt, hat auf 
einer Landstrasse Halt gemacht, als mit Hatterntlen Haaren, die 
Augen stier auf den Sarg gerichtet, der die Reste ihres Gatten 
birgt, die unglückliche Fürstin herbeieilt. Die rings knieenden Priester 
und Frauen betrachten die arme WVHlIHSlHHigC mit traurigem Mitleid. 
Rechts bei einer kleinen Capelle, in der ein Priester eine Todten- 
messe hält, ist der Hofstaat gruppirt, links die Batiernschtift, die 
herbeigeströmt ist. die Ceremonie zu sehen. Grosse YVachskerzen 
brennen, von düsterm Fackelschein ist die Capelle beleuchtet. Das 
war Alles sehr gut gemalt, von wohlabgewogener Composition und 
eleganter Zeichnung. In München 1883 erhielt er die goldene Me- 
dztille für seine wUElDCFgLIbC Granadas 149m, ein Bild, das damals 
auf die deutschen Historienmaler grossen Eindruck machte, weil Pra- 
dilla darin von der braunen Asphaltmalerei Laurens' zu einer M110- 
dernerena Graunialerei übergegangen war, die der Beleuchtung der 
Dinge unter freiem Himmel mehr Rechnung trug. Im gleichen 
Jahre war Casados grosses Gemälde wDie Glocken von Huesczw mit 
dem blutübersclnveinmten Boden, den 1; enthaupteten Körpern und 
ebensoviel abgeschlagenen Köpfen eine vielfach bewunderte Schöpfung. 
Vera hatte sein von wildem Feuer und Pathos erfülltes Bild der hero- 
ischen Vertheidigting von Numancia ausgestellt, Manual Ramirez seine 
Enthauptung des Don Alvart) de Luna, mit dem bleichen Kopf, der 
von den Stufen heruntergerollt war und den Beschauer so tinheim- 
lich anstierte. illloreno Carbnnen: liess in seiner rvBeltehrting des Her-
        

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