Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1630984
DEUTSCHLAND 
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vom übermüthigen Humor bis  v  
zum Schrecklich-Grandiosen sou-   
verän mit fortreisst. Die Harmo-     
nien Puvis de Chavannes" {iüstern        
schmelzend und geheimnissvoll       
wie selige Musik in der Diinuner-      
nng. Man ahnt stets hinter dem        
Bilde den psychischen Vorgang,       
aus dem heraus es geschaffen und i      
der beim Betrachter in ebensolche   c-Qxf   
Seelenstimmtiiig sich umsetzt. Aus  f i 
Stucks Bildern spricht die reine   7'  
positive Lust am" Bilden und For-    w.   
men. Sind Boecklins Wesen natur- f-ji,    xi 
gewaltig und lebensvoll, so Wirken  e     
die Stucks decorativ antiquarisch.    a    
Ist Gustave Moreaus Mysticismus   "i     
  Y I. r  w       
durchgeistigt und gedankenvoll,  
so bleiben Stucks mythologische  
Darstellungen innerhalb der or- Max Klingen 
namentalen Wirkung. Ein kraft- 
und saftstrotzender BRiHXVQFC, will er nichts von den Leiden und 
Schmerzen Wissen, die die aristokratischen Naturen unter den 
Modernen productiv machen, sondern sprengt wie ein Centaur in 
die müde Gegenwart herein.   
Das unterscheidet Stuck von Max Klizizger, mit dem er sonst 
das Hellenische, Ursprüngliche, die bildnerische Präcision, die Vorliebe 
für die heraldische Linie gemein hat. Stuck fesselt handwerklich 
mehr, da er der grössere Techniker ist. Die Werke Klingers sind 
dem Psychologen interessanter, da eine tiefere eigenartigere Seele 
daraus spricht. Es war im Jahre 1878, als ein junger Gussowschüler 
auf der Berliner Akademischen Ausstellung zum ersten Mal zwei Folgen 
von Federzeichnungeii verführte, einen sCyklus zum Thema ClHiStUSa 
und sPhantasien über den Fund eines Handschuhsa. Mit einem sEr- 
lebnisss, einer Liebesgeschichte, die sein Inneres durchwühlt hatte, 
begann Klinger seine Laufbahn als Radirer. Ein nervöses, sensibles 
Temperament, befreite er wie Goethe sich von einer Leidenschaft, 
indem er ihr künstlerische Form gab. Das erste Blatt der Folge 
führt in den Berliner Skating Ring. Die beiden Hauptüguren sind der
        

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