Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1630909
DEUTSCH! 
AND 
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Madonna. 
der Maler dazu tiberging, geschichtliche Ereignisse darzustellen, die 
bloss als einmal geschehen gedacht werden können, als er anfing, 
nicht nur auf biblischen Bildern moderne Bauern anzubringen, son- 
dern auch die biblischen Personen mit modernen Batierngewiiiitlerii 
zu bekleiden, wurde bei den meisten Betrachtern die iVirltting seiner 
Werke ernstlich beeinträchtigt, da das geschichtliche Bewusstsein sich 
empörte. Nach einer langen Periode lehrhaft rationalistischer Kunst 
sind erst Wenige wieder fähig, Bilder anders als durch das Medium 
des Verstandes in sich aufzunehmen. Doch Uhdes kunstgeschicht- 
liche Stellung wird dadurch nicht berührt. Seine Bilder gehören an 
Empiindungsgehttlt und Können zu den besten, die während des 
letzten Jahrzehnts in Deutschland entstanden. Unermüdlich ringend 
nach eigenartiger Lösung uralter Fragen, hat er auch das moderne 
Costüm nur deshalb gewählt, um jeden historischen Costümschwindel 
zu vermeiden, durch keinen iiussern antiquarischen Apparat vom 
Psychischen des Motivs abzulenken, und kann zur Motivirtmg seiner 
Auffassung alle alten Meister germanischen Stammes, selbst die Italiener 
der nichtrafaelischen Zeit als Helfershelfer anrufen. Gleich unge- 
zwungen wie bei jenen verweht sich in seinen Schöpfungen die 
poetische Freude am urevvigen Stimmungsgehalt der frommen Legen- 
den mit der echt künstlerischen Lust am treuen Nachbilden des um- 
gebenden Lebens, und wenn ein Schluss von der Vergangenheit auf die
        

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