Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1630814
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DEUTSCHLAND 
in seelenloser GCfLIllSLIClJt mit dein 
Pathos des Theaterprinzen einher. 
Munkacsys wChristus vor PllfltUSa 
ist wohl die bekannteste und be- 
deutendste dieser Opernmaschinen. 
Wenn neben den lärmenden und 
schreienden Statisten, die wohl- 
dressirt auf diesen Bildern ihr 
Wesen trieben, nur eine von jenen 
Gestalten aus dem Volke in Er- 
innerung kam, die auf Rembrandts 
Radirungen den Heiland umgeben, 
von jenen einfachen Menschen, die 
gar nichts beabsichtigen, die ein- 
fatch da sind, aber mit der gan- 
zen Kraft ihrer Existenz den Vor- 
Üßrj WIVV Wßg' 
gang aufnehmen, ohne im gering- 
sten sich um einen Zuschauer zu 
künnnern, dann sanken die effekt- 
haschenden Gebilde jener Zeit in 
zusa1n111e11, wie gegenüber Rembrandts absichtsltwser, selbstver- 
zher Composition das geschickt gestellte Arrangement, durch 
n die innere Hohlheit zu verdecken suchte. 
Nichts zusalr 
ständlicher C 
das man die 
Die Reaction gegen diese Scheinkunst brach sich mit Wdlhelm 
Stcinhausen, einem wenig gewürdigten Meister von kraftvoller Tiefe 
des Ausdrucks, und besonders mit Eduard von Geblzarcll Bahn. Dem 
banalen Forinenidealisinus War künstlerisch nichts mehr abzugexxtinnen; 
von dem Streben nach schönem Faltenwurf beherrscht, liess er für 
die Ausgestaltung der Charakteristik keinen Raum. Gebhardt, müde 
des psetidoidealistischeia Poinps und wie Leys "mit dem ganzen Geiste 
seiner Kunst in den Deutschen des Mittelalters wurzelnd, machte den 
Versuch, auch die Männer und Frauen der Bibel als mittelalterliche 
Deutsche im Costüin des r 5. Jahrhunderts zu malen. Die Eyck, Dürer, 
Holbein und hauptsächlich Roger van der Weyden, der grossc Drama- 
tiker unter den nordischen Malern des Quattrocento, Waren seine Vor- 
bilder, und er Wusste sie mit solchem Verständniss zu iniitiren, dass 
in ihm ein guter Niederländer des Reforniationszeitzilters wieder iatif- 
gelebt scheint. Einen eigentlichen kunstgeschichtlichen Fortschritt 
bezeichnet er also nicht. Was er gab, war früher schon gleich gut
        

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