Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1630809
ZUTSCHLAND 
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Institut zur Begutacht- 
ung vorzulegen. Die 
moderne Malerei, 
meinte enwerde durch 
sie die schönsten T ri- 
umphe feiern. Sie 
könne beginnen, das 
alte und neue Testa- 
nient vollständig um- 
zukleiden und ihm 
zugleich die richtigen 
Bodenverhältnisse zu 
geben, die es während 
der Renaissance ent- 
behrte. Zum Glück 
ging es dieser Bibel- 
übersetzung wie der 
Putkamefschen 
Rechtschreibung  
man konnte sich nicht 
daran gewöhnen. Die 
religiöse Malerei wurde durch das kulturgeschichtliche und ethno- 
graphische Brimborium, das sie in den 30 er und 40 er Jahren in sich 
zitlfnahm, nicht grösser als sie zu Fra Angelicos und Rembrandts 
'l"agen gewesen. Der Geist war todt, nur der Buchstabe war lebendig 
geworden. Indem die Maler die Architektur streng ägyptischen, per- 
sischen, assyrischen oder römischen Denkmälern, die Costüme denen 
moderner Beduinen nachbildeten, wussten sie zwar eine äusser- 
liche örtliche Wahrheit zu erzielen, hinter der die innere gegen- 
ständliche NVahrheit aber desto mehr zurücktrat. "Der Charakter 
der meisten Bilder war ein trockener, philisterhafter Realismus, an 
dem der Geschmack schon wieder verloren ging, bevor das Bewusst- 
sein kam, dass die Juden zu Christi Zeit sicherlich keine Turbane 
und Burnuse trugen. 
Später, als die Historienmalerei an der Spitze des ästhetischen 
Katechismus stand, folgte auf das orientalische Genrebild das religiöse 
Prunkstück. die Galavorstellung vor Gott dem Vater. Wie alle 
profanen Helden der Delaroche- und Piloty-Schule declainirten, 
gesticulirten und Sessel timstürzten, so schritten auch die Heiligen
        

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