Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1630649
DEUTSCHLAND 
617 
"Boerklin  
Todleninsel. 
nassen Weibern, an deren Haupt das triefende Haar klebt. Wie 
erbatrnitingslos blicken die kalten, schwarzen, seelenlosen Augen  
gleich furchtbar, wie das menschenvertilgende Meer, das gestern in 
brüllendei" Wuth hundert in Todesangst verzweifelnde Menschen ver- 
schlang und heute daliegt, still und heiter, in blauer Unendlichkeit 
und gleichgültigem Vergessen aller Unthaten, die es verübte. 
Dabei hat ihm, um solche chimärische Wesen zu schaPfen, eine 
geringe Veränderung des von der Natur Gegebenen genügt. Wie 
er als Landschaften obwohl scheinbar ganz dem Diesseits entrückt, 
doch mit allen Fasern in der Erde wurzelt, so wirken auch seine 
Fabclwesen überzeugend, da sie mit der innern Folgcriehtigkeit der 
Natur geschaffen. unter engem Anschluss an das Thatsächliche mit 
gleich zahlreichen Details, wie die wirklichen Erdengeschöpfe ge- 
zeichnet sind. Bei seinen Tritonen,_Sireneii und Wasserjungfrauen 
mit den plumpen, von borstigem Haar bedeckten Körpern und den 
hervorquellenden Augen mag er seine Studien an Seehunden und 
Wallrossen gemacht haben. Wie sie auf felsigem Gestade sich räkeln, 
spielend und kosend mit ihrer jungen Brut, sehen sie aus wie ver- 
menschlichte Scekühe, und haben nach Menschenart allerlei See- 
raubthiere als Hausthiere bei sich, da eine Seeschlange, dort einen 
Seehund, mit denen sie liebkosend tändeln. Seine dickwanstigen, 
kurzatlnnigen Tritonen mit dem rothglänzenden Gesicht und dem 
llachsgelben, wassertriefenden Haar sind gutmüthige alte Herren, in
        

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