Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1630341
XLIX. 
FRANKREICH 
S37 
Malerei so weite Kreise zog.       
Das Costüm ist zeitlos, fast   
mehr der Gegenwart als der i"   
aber aus den grossen Linien   b?       
der Landschaften spricht et- --lir_'ßl_      
was so Biblisches, Patriarch-     
alisches, eine so weltferne M. 
mystische Poesie, dass auch   
die Menschen wie Visionen W  
aus weiter Vergangenheit 75 
wirken.   ll"      
Die Bilder der Frau Cazin  ikiil    
bestätigen die alte physio-        
logische Thatsache, dass Ehe-       d   
leute durchlanges Zusammen-   ,    
leben sich ähnlich werden.      
Die delicate Sensibilität ihres Cm", Haga, und [mag] 
Mannes kehrt bei ihr mit 
einer weiblichen Nuance wieder, seine ruhige Empfindung wird bei 
ihr nervös. Mag sie eine Bäuerin zeichnen, die ihr Kleid näht, oder 
junge Mädchen mit dem Buch auf den Knieen nachdenklich im 
Garten sitzen lassen, oder Statuen für Grabmonumente entwerfen  
durch Alles geht etwas tief Träumerisches, still Melancholisches, 
schluchzendes Thränenglück und rührende Wehmuth.  
Die weitere Fortsetzung der Richtung bezeichnet der reizende, 
mysteriöse Eugäne Carriäre, der wmoderne Madonnenmalera, wie 
Edmond de Goncourt ihn nannte. Wohl Keiner vorher hat das 
unbewusste Seelenleben der Kinder mit dieser zarten Versenkung 
gemalt: diese kleinen Hände, die nach etwas greifen, diese stammelne 
den Tippen, die die Mutter küssen möchten, diese träumenden, in's 
Unendliche starrenden Augen. Doch obwohl aus seinen Bildern junge 
Wesen schauen, die zu leben anfangen, deren Blicke gross der Zu- 
kunft sich öffnen, liegt doch eine tiefe Traurigkeit darüber. Seine 
Gestalten bewegen sich schweigend und ernst in weicher, geheimniss- 
voller Dämmerung, gleichsam durch einen Gazeschleier von der W irk- 
lichkeit getrennt. Alle Formen verschwinnnen, welkende Blumen 
verbreiten einen einschläfernden Duft; es ist, als ob Fledermäuse 
unsichtbar die Luft durchflzitterten. Selbst als Porträtmaler bleibt
        

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