Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1630210
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XLIX. 
FRANKREICH 
glitzert. In der Hand hält sie 
wie die Picdalne des Kartenspiels 
eine grosse Blume. Haufen pfeil- 
durchbohrter Leichen liegen ihr 
zu Füssen. Doch sie hat keinen 
Blick des Mitleids für die Sterben- 
den, deren Röcheln zu ihr herauf 
dringt. Ihre Weiten, gefühllosen 
Augen blicken starr in's Leere. Sie 
sieht im Gold des Sonnenunter- 
ganges den Rauch, der vom Lager 
der Griechen aufsteigt. Sie wird 
die schönen Schifle des Menelaos 
besteigen, wird ll11 Triumph nach 
Hellas zurückkehren, wo ihr neue 
Liebe beschieden. Und die Blicke 
der Greise haften bewundernd auf 
ihr. xEs ist recht, dass um ein solches YVeib die Achaeer und Troer 
kämpfenß Helena in ihrer blonden, wollüstigen Schönheit verwandelt 
unter Moreaus Händen sich in däs Verhängniss, das über blutgetränltten 
Boden schreitet, in die Gottheit des Unheils, die, ohne es zu wissen, 
Alles vergiftet, was sich ihr nähert, was sie betrachtet oder berührt. 
In dem Bilde der Galatea feiert sein Geschmack an Juwelen und 
Email die höchsten Triumphe. Die Grotte ist ein grosser, glitzernder 
Schmuckkasten. Blumen aus Sonne, Blätter aus Sternen, Ranken von 
Korallen strecken ihre Zweige aus und öffnen ihre Kelche. Mitten 
darin im Allerheiligsten ruht als das glänzendste Kleinod der strahlende 
Körper der schlafenden Galatea. eine Art griechische Susanna, vom 
glotzenden Demantauge Polyphems belauscht. 
Und wie er diese griechischen Gestalten in die süsse Dämmerung 
einer tiefen romantischen Melancholie taucht, so sind die Figuren der 
Bibel bei Moreau von einem Schatten indischen Buddhismus, vom 
Hauche einer pantheistischen Mystik umHossen, der auch sie in ein 
sonderbares modernes Licht rückt. In seinem vDilvidx schildert er 
still und friedlich das Eingehen einer Menschenseele in's Nirwana. 
Der uralte König sitzt träumend auf seinem reichen Thron. Ein 
Engel in glänzender Schönheit wacht bei dem Phantom, dessen 
LebensHannne langsam verlöscht. Ein merkwürdiges Himmelsliclit 
fällt auf ihn hernieder. Zwischen den Pfeilern hindurch blinkt
        

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