Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1630132
XLIX. 
Frankreich. 
ARL Huysmans hat ein seltsames Buch geschrieben, worin er 
k in nuce Alles zusammenstellt, was dem modernen Gourme 
 künstlerisch schön erscheint. aA RCbOUfSa ist die Geschichte 
eines typischen Decadents, die meisterhafte Analyse der Sensationen 
und Ideen der überfeinerten Gesellschaft des Jahrhuiuierteiides. In 
unsicherer Angst vor allem Banalen und Alltäglichen des modernen 
Lebens hat Des Esseintes, des Held des Romans, sich inmitten der 
barbarischen grauen Welt gleichsam ein künstliches Paradies errichtet, 
in dem er einsam dahinlebt, nur im Verkehr mit den Kunstwerken 
und Büchern, die seinem exquisiten Geschmack behagen. Alle Politik 
ist ihm gleichgültig, da er auf der Weltbühne doch nur schlechte 
Komödien von mässigen Schauspielern gespielt sieht. Religiös möchte 
er wohl sein, doch die Allerweltsreligion stösst ihn ab, darum 
erhofft er  nach dem Untergang der gegenwärtigen Cultur  
die Erlösung des kommenden Geschlechtes durch einen neuen 
mystischen Glauben. Alles Streben verachtet er, denn trotz alles 
Suchens hat er kein Ideal gefunden, das ihm der Mühe werth scheint. 
Aber auch sich selbst verachtet er, denn er ist tinvermögend und 
schwach und dies Bewusstsein erfüllt ihn mit Bitterkeit und dumpler 
Schwermuth. An der Frau schätzt er nicht gesunde kraftvolle 
Schönheit, die zum Leben undZeugen reizt, sondern eine über- 
reife, herbstliche, hysterische Schönheit mit geisterhafter Blässe und 
todtkranken tief bezaubernden Augen. Als Historiker studirt er die 
Decadencezeiten, da. er sich auch von wilden Barbarenhorden um- 
geben, diesen alten, an Raflinement sterbenden Civilisationen sich 
verwandt glaubt. In der Literatur liebt er: von lateinischen Schrift- 
stellern Apulejus und Petronius, von Franzosen Baudelaire, Gon- 
court, Verlaine, Mallarme, Villiers. Als Kunstfreund definirt er mit 
Goncourt das Schöne als das, was Leuten ohne Bildung aus Instinkt 
missfalle. Die Kunst, die er verehrt, redet eine andere Sprache
        

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