Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629811
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XLVlIl 
WHISTLER 
UND 
SCHOTTEN 
      über der Erde lagert, die 
[f  ; 37  .4    flimmerndenLichterschlafen- 
 1A 2    i   der Städte und die Unermess- 
   er           lichkeit düstern Nebels, in 
    r   .1 dem für einen Augenblick 
          menschliche Erscheinungen 
       auftauchen. Doch auch 
  ilfiää?      1,;  künstliche Lichteffekte, be- 
      7'    sonders Feuerwerkserschein- 
         ungen, haben ihn viel be- 
 Wbistler: Harmonie in Weiss. gehäftigt; Raketen, die in 
 langen, langen Streifen auf- 
steigen und hoch oben zu kleinen Schlangen werden, die sich in 
den Himmel bohren und mit einem Knall vergehen  oder Leucht- 
körper, die wie grosse, matte Kugeln in der Luft erzittern und in einem 
Kranz tausendfarbiger Sterne langsam herabsinlten, weich und rund Wie 
ein Goldregen. Alle Landschaften Whistlers sind solche Harmonien 
und Symphonien: in Grün, in Roth, in Grau, in Blau und Silber, in 
Blau und Gold, in Silber und Violett, in Violett und Rosa, in Rosa 
und Schwarz, in Malvenfarbe und Silber oder in Schwarz und Gold. 
Er sah sie überall, wo sein rastloses Leben ihn hinführte, in Holland, 
Dieppe, Jersey, Havre, Honlieur, Liverpool, London, der Vorstadt 
Chelsea, Paris und Venedig, ganz besonders in Venedig, der ge- 
spenstischen Stadt, dem Venedig des Traumes, wo seine harmonische 
Kunst mit Vorliebe ihr Heim aufschlug und sein Pinsel, seine Radir- 
nadel alle Strassen, Canäle und Barken kennt. 
Die Radirung gestattet, wie Rembrandt zeigte, noch weit mehr 
als die Malerei, eine Welt von Stimmung, von Poesie und Licht zu 
ertriiumen. KeinZufall daher, dass Whistler, der grosse Symphoniker 
der Töne, auch sie zu seinem Ausdrucksmittel erkor und ein Meister 
der Aetzkunst ward, mit dem sich kein Zweiter der Gegenwart misst. 
Seine ersten Blätter  Ansichten von der Themse und Venedig  
gehen bis 1850 zurück, und schon damals bediente er sich ohne Unter- 
schied aller technischen Mittel, die geeignet waren, seinen Visionen 
Gestalt zu geben. Heute umfasst sein radirtes YVerk nach dem von 
Wedmore verölfentlichten Katalog 214 Platten und vier grössere 
Serien: the little french set 1858, the Thames set 1871, Venice 1880 
und Venice, Second Series 1887  Blätter, die, abgesehen etwa von 
den Meisterwerken Seymour Hadens, das Feinste und Originellste dar-
        

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