Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629657
S18 
XLVlI. 
ENGLAND 
zieht er die Gestalt der Gefährtin an's Herz. Die Scene sArtemis 
und Endymiona ist dargestellt durch eine hohe Frauengestalt in silber- 
schimmerndem Gewande, die sich in sichelförmiger Windung über 
den schlafenden Hirten beugt. 
Doch gewöhnlich benutzter weder den christlichen noch den 
antiken Ideenkreis, sondern verkörpert seine eigenen Gedanken. Auf 
dem Bilde wDie Illusionen des Lebensa von 1847 schweben schöne 
Traumgestalten über einem Golf, der sich an der Grenze des Da- 
seins aufthtit. Zu ihren Füssen liegen die zertrümrnerten Embleme 
der Grösse und Macht, und auf einem schmalen Streifen Erde dicht 
über einem Abgrund sind die noch nicht zerstörten Illusionen sicht- 
bar: der Ruhm, in Gestalt eines geharnischten Ritters, der der Seifen- 
blase eines glänzenden Namens nachjagt; die Liebe als ein zärtlich 
umschlungenes Paar; die Gelehrsamkeit als ein im Dämmerlicht über 
Handschriften gebückter Greis; die Unschuld als ein Kind, das nach 
einem Schmetterling hascht.  Der wTodesengela zeigt eine gewaltige 
geHügelte Frau am Eingang des Weges thronend, der in die Ewig- 
keit führt. Auf ihren Knieen ruht, auf weisses Tuch gebettet, der 
Leichnam eines neugeborenen Kindes. Männer und Frauen jeden 
Standes legen ehrerbietig zu den Füssen des Engels die Abzeichen 
ihrer Würde, die Werkzeuge ihrer irdischen Thiitigkeit nieder.  
Das Bild nDiC Liebe und der Tode schildert die beiden grossen, 
die Welt beherrschenden Mächte, wie sie zusammen um die Seele 
eines Menschen ringen. Der bleiche Tod, mit Schritten, in denen 
eine Linheimliche Majestät liegt, naht Einlass begehrend der Thür 
eines Hauses; die Liebe, eine knabenhaft schmächtige Gestalt mit 
hellen Flügeln vertritt ihm den XVeg, doch eine grosse, unwiderstelr 
lichc Geberde genügt dem Mächtigen, den zusammenschauernden 
Jüngling zur Seite zu schieben.  Auf dem Bilde wLiebe und Leben- 
hilft der Genius Liebe, ein schlanker kriiftigei" Ephcbe, dem armen 
schwvachen hilfestichenden Leben, einer halb erwachsenen, schtichtern 
und furchtsani auftretenden Madchengestalt, den steinigen XVeg eines 
Gebirges hinaufsteigen, über dem golden die Sonne aufgeht.  Die 
vHoffntinga ist bei Watts ein zarter, in blauen Duft gebadcter Genius. 
der verbundenen Auges auf der YVeltktigel sitzt und beglückt dem 
leise angeschlagenen Laut der letzten Saite seiner Harfe lauscht. Der 
vMammom verkörpert sich ihm durch einen rohen, dicken Satyr. 
der seine Sohle auf einen Jüngling und ein junges Mädchen brutal 
Wie auf einen Fussschemel setzt.
        

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