Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629586
XLVII. 
ENGLAND 
S11 
zwischen dem ästhetischen Charak-    "E 
ter der Formen und deren inhalt-  ff 4  f    
licher, symbolischer Bedeutung.       
Ueberall formt er die natürliche Er-   Q    I,  
scheinung dem Material entsprech-   1' 3 I     l  
end stilgemäss um. Ganz einzig ist     
die Art, wie er die edelsten Vor-  Xi,    
bilder der Antike und der Renais-  urig,   
sance benutzt und doch sofort in  l    xx V1",  
die englische Empfindungsweise, in  t " a".      
modern verwendbare Formen über-   
trägt. Und  last not least  ,    
ist er ein Wunderbarer Illustrator.    
Es erregte einen Sturm des Ent-  
zückens, als Ende der sechziger 
Jahre seine ersten Kinderbilder- George Frederick Watts. 
bücher The Fairy Chif, The little 
Pig who went to Market und King Luckiboy erschienen, deren 
Compositionen bald auf allen Stickmtistern prangten. Darauf folg- 
ten seit 1875 bei Macmillan 8c Co; Tell me a story, Herr Baby, 
The First of May, a Fairy Masque, The Sirens Three, Floras Feast 
und Echoes of Hellas. Die beiden Albums wTlIS Babys bouqueta und 
wTheuBabys operaa von 1879 sind wohl die schönsten von allen. Die 
Zeichnungen von WValter Crane haben trotz ihrer kindlichen Stoffe 
eine solche Monumentalität, dass sie wie wgrosse Malereia wirken. 
Ohne nachzuahmen, findet er von selbst die Grazie und den Charakter 
der primitiven Florentiner. Einzelne seiner Blätter lassen an den Traum 
des Polifil denken und könnten das Monogramm des Giovanni Bellini 
tragen. Es ist ein tiefes gernianisches Gefühl, das, vermischt mit 
heidnischen Erinnerungen, diese Blätter hervorgebracht, eine fast 
griechische und doch englische Kunst, wo die Phantasie wie ein 
thörichtes,träumerisches Kind mit dem glänzenden Gebinde der 
Formen und- Farben spielt.  
Ganz abseits als eine Persönlichkeit für sich steht der grosse 
George Frederick Watts. Inhaltlich unterscheidet er sich von den andern 
dadurch, dass er nicht an Dichter sich lehnt, sondern selbständige 
Allegorien ersinnt, formell dadurch, dass er in der Zeichnung weder 
zum Quatttrocento noch zum römischen Cinquecento neigt, sondern 
mehr dem Venedigder Spätrenaissance gehört. Statt der marmornen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.