Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629541
XLVII. 
ENGLAND 
597 
Mysticismusalerselben träum-  i"  "E"  i? 
Cfiscl] tiefsinnigen Poesie. Mit        
Vorliebe malt er schlanke.     
nach Burne-jones" Weise em-     
pfundene sinnentle Müdchen-    
gestalten in irgend einer  
von einem Dichter eingege-  _ 
benen Stellung. Eine, die er    
 t    alt    
v) Elame a nennt, sitzt trauernd   13a 1 i    all; 
in einem kapellenartigen    
Kaum, dessen Hintergrund   1.„ 
eine grossc Orgel bildet. Drei   H1  f,  
andere scheinen ganz ver- j 7 
Asunken in ihre Musik. Oder    
die heilige C-äcilie steht mit  
ihrer kleinen Orgel vor einem    j 
romanischen Batiwerk. Oder      
ein mitRosen bestreuterRittei- l    
schläft im Schoose eines Mäd  Blume, 
chens. Strudwick besitzt nicht 
das Spontane seines Meisters. Das Kindliche, Eckige, das er anstrebt, 
wirkt oft ein wenig wcichlich und süss. Seine Malerei hat zuweilen 
etwas Aengstliches, wenn sie das architektonische- und kunstgewerb- 
liche Detail der Hintergründe tüpfelnd mit spitzestem Pinsel hin- 
setzt. Aber seine Arbeiten sind doch so exquisit und zart, so preciös 
und ästhetisch, dass sie zu den bezeichnendsten Leistungen des Neu- 
praerafaelitenthums gehören. Eine seiner grösseren Compositionen 
nannte er svergangene T agek. Ein Mann sitzt vor einer langen 
weissen Marmormauer ziuf weissem Marmorthron in abendlicher 
Landschaft und lässt die Erinnerungen seines Lebens an sich vorüber- 
ziehen. Er streckt die Arme aus nach den vergangenen Jugendjahren, 
den Jahren, da die Liebe ihm hold war, doch zwischen ihm und der 
Liebesgöttin schwebt die sZeitk, eine geflügelte Gestalt wie Orcagnas 
Morte, und schwingt drohend die Sense. Die wVergangenheittk, eine 
schlanke Matrone in schwarzem Gewand, bedeckt klagend ihr Antlitz. 
In Strudwicks berühmtestem Bild, dem sEingang zum Hause Gottesa, 
steht ein Mann an der Schwelle des Himmels, nackt wie ein griech- 
ischer Ephebe. Seine irdischen Fesseln liegen gebrochen zu seinen 
Füssen. Engel nehmen ihn in Empfang, wunderbar durchgeistigte 
M16  
   
lb-flsmlfß
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.