Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629436
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XLVII. 
ENGLAND 
nieder im Schatten. Und Merlin schlief ein, und als sie sah, dass 
er schlief, erhob sie sich leise, leise, und begann die Verschwörung 
genau nach den Vorschriften Merlins, indem sie neunmal den 
magischen Zirkel zog und neunmal die Versclnvörungsforinel aus- 
sprach. Und Merlin blickte um sich und es kam ihm vor, als wäre 
er eingeschlossen in einem Thurm, dem höchsten der Welt, und er 
fühlte seine Kraft schwinden. als ströme das Blut aus seinen AdCTlln- 
In andern Bildern verzichtet er auf alle Gedankentiefe und be- 
schränkt sich auf einfache Gruppirtmg zarter Madchenfiguren. in 
denen er nur eine Schönheitsgalerie der subtilsten Linien, Formen. 
Farben und Bewegungen zusammenstellt. Der Art war 1878 die 
sgoldene Treppea, auf der eine Schaar engellrafter Geschöpfe herab- 
steigen, gänzlich ziel- und zwecklos, manche mit Musikinstrumenten, 
alle mit genau denselben Füsschen, Kränzen und reichgetaltelten 
weissen Gewändern. Aus demselben Jahre stammt der sVenusspiegelk, 
eine Anzahl Nymphen, die Abends beim Scheiden der Sonne in einer 
feierlich ernsten Landschaft am Ufer eines klaren Weihers zusammen- 
kommen, dort niederknieen und sich in den Fluthen spiegeln. 
Zu diesen zahlreichen Staffeleibildern kommen die decorativen 
Arbeiten des Meisters. Burne-jones hat für die englische Kirche in 
Rom eine pretiös ernste byzantinische Decoration entwvorfen und in 
England, dessen Kirchen für Wandmalerei keinen Raum bieten, eine 
desto umfangreichere Thätigkeit auf dem Gebiete der Glasmalerei 
entfaltet. Bis in die 60er Jahre wurden solche Kirchenfenster fast 
immer aus Deutschland bezogen. Die Münchener Hofglasmalerei be- 
sorgte die Ausschmticktmg der Kathedrale von Glasgow nach Zeich- 
nungen von Schwind, Heinrich Hess und Schraudolph, die Fenster 
der Paulskathedrale natch Sclmorr, die Fenster des Edinburghei" Parla- 
ments nach Kaulbach. Heute beherrscht Burne-jones dieses ganze 
Gebiet, und während die deutschen Meister das Glasgemältle mo- 
dernisirt wie ein nazarenisches Fresko behandelten, hat Burne-jones 
durch eindringende Vertiefung in die mittelalterliche Formensprache 
einen neuen Stil für Glasmalerei geschaffen, der sich rafiinirt der 
englischen Neugothik anpasst. Seine bedeutendste Leistung sind wohl 
die Glasfenster, die er für St. Martins Church und St. Philips Church 
in seiner Vaterstadt Birmingham lieferte. Und diese Thiitiglteit auf 
dem Gebiet gothischer Glasmalerei erklärt auch, wie er zum Stil 
seiner Stalfeleibilder gelangte: er gewöhnte sich daran, auch diese 
mit dem architektonischen Gefühl des Gothikers zu componiren. Ge-
        

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