Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629299
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XLVII. 
ENGLAND 
affectirten Bildern Carlo Crivellis und Botticellis, war Rossetti in der 
Gesellschaft seiner Geistesgenossen. 
 Sein Stoifgebiet war, wie seine Biographie zeigte, kein weites. In 
seiner ersten Zeit malte er gern kleine biblische Bilder, von denen jene 
wVerkündigungx das bekannteste, die reizend archaistische sMiidtchen- 
zeit der Jungfrau Marim eins der schönsten war. Doch diese streng 
biblische Richtung hielt nicht lange vor. Bald wich sie einer glanz- 
vollen phantastischen Romantik, zu der Dante ihn inspirirte. ))(iiOIIO 
painting the Portrait of Dantea, sThe Salutation of Beatrice on Earth 
and in Edena (aus der Vita nuova), sLa Pins (aus dem Purgatorium), 
sBeata Beatrixa und der in der Galerie von Liverpool befindliche 
sTraum Dantesa sind die hauptsächlichsten unter der Einwirkung 
des grossen Italieners entstandenen Werke. Der Kopf seiner Frau 
mit dem sinnlich verschleierten Auge und das bekannte Dante-Bild 
Giottos genügten ihm, die zartesten, mystischsten Poesien zu dichten, 
die ihn gleichzeitig im vollen Glanz seines coloristischen Reichthtnns 
zeigen. Er schwelgt in den sprühendsten Farben, seine Bilder sind 
wie in Gluth getaucht, etwas verzehrend Sinnliches liegt in diesen 
mächtig leuchtenden violetten, rothen und grünen Tönen. Auf dem 
Bilde sBeatrice und Dantea kniet der Dichter an offenem Fenster, 
durch das man hinausblickt auf die Stadt Florenz; ein Papier liegt 
vor ihm, er hat geschrieben. Das Zimmer ist ganz einfach, ein Fries 
mit Engelköpfen bildet den einzigen Schmuck. Zwei Männer sind, 
Beatrice führend, aus dem Garten hereingetreten und stehen lang 
hinter ihm, bevor er ihre Anwesenheit merkt. Aber er denkt an 
Beatrice, es ist der Jahrestag ihres Todes. Er fühlt, sie muss ltommen. 
Wendet sich um. Ganz ruhig, ein stilles, ernstes Phantom, steht 
Beatrice vor ihm, er, ebenso ruhig, doch mit verzehrender Leiden- 
schaft, blickt ihr in's Auge  lang und tief. Das 1863 begonnene, 
im August 1866 beendete Bild vBSILUI Beatrixa der Londoner National- 
galerie behandelt den Tod der Beatrice Eiunder the semblance ofa trance, 
in which Beatrice, seated in a balcony overlooking the city is suddenly 
rapt from earth to heavenß Wie in der Vita nuova beschrieben, sitzt 
Beatrice auf dem Balkon ihres väterlichen Palastes und träumt. Ueber 
die Mauer des Balkons hinweg sieht man auf den Arno und jenen 
andern Palast, wo Dante seine Jugend dicht neben der Angebeteten 
verlebte, bis zu jenem 9. Juni 1290, da der Tod sie ihm raubte. Ein 
friedliches Abendlicht breitet sich über das Ufer und spielt auf der 
Mauer in warmsilberigen Strahlen. Beatrice tragt ein zeitloses, grün-
        

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