Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629232
476 
XLVII. 
ENGLAND 
 Ihre Kunst bedeutet eine italien- 
     71 y ische Renaissance auf englischem 
    i.   Boden. Das romantische Vibriren 
y"   altangelsachsischer Poesie vereint 
  sich mit der Eleganz und Rein- 
7195;; Wßfär;      k 
    heit italienischen Kunstgeschmzicks, 
       die classische Klarheit heidnischer 
  i;   Mythologie mit kathohschem Mysti- 
    i  
  ggf:  cismus, modernste Gefuhlssclnvel- 
  "flrjiiiiaäiä-k-fiiicl  J     
       gerei mit dem spröden Gewand der 
1:;   -c  i    I.l'  I d" M' l 
   r.  primitiven taiencr. n ieser 1SC 1- 
l     f  ung heterogener Elemente ist der 
"i        englische Neuidealisintis wohl die 
Rvwllir Slllfiirllkvjvf. inerkwürdigste Kunst, auf die je 
die Sonne geschiencn: entlehnt und 
doch im höchsten Grade persönlich, eine Kunst, die fast kindliche 
Naivetät des Gefühls mit krankhaftem Hautgoüt, das aufmerksamste 
geistreichste Studium der Alten mit frei schöpferischer, moderner 
Phantasie, die eleganteste Sicherheit der Zeichnung und sprühendste 
'v' ff 1   1,L'  . 
Indi idualmt der Ftrbe mit absichthchen inbeholfenen Stannneln 
vereint. Die alten Quattrocentisten führen in die wirkliche italien- 
ische Flora; bei den Praerafaeliten tritt man in ein Glashaus; milde 
feuchte Wärme strömt entgegen, bunte exotische Blumen verbreiten 
betäubenden Duft, safttriefiende Früchte begegnen dem Auge, und 
schlanke Palmen, durch deren Zweige kein tmsanftei" Wind zu sausen 
vermag, bewegen leise nickend ihre langen, breiten Wedel. 
Lombroso würde gewiss geistreiche Erörterungen daran knüpfen, 
dass Rossetti, der diese italienisirende Phase einleitete, ein Spross 
Italiens war, und wirklich könnte es scheinen, als wäre in dem ein- 
samen Maler in Chelsea eine Seele jener alten Zeiten wieder er- 
standen, eine Seele freilich, die nicht mehr den Himmel in der Brust 
trug wie der grosse Mönch Fra Angelico. Er wirkt in seinem ganzen 
Wesen wie ein Phänomen des Atavismus, wie ein Bürger jenes längst 
versunkenen Italien, der sich auf seiner Seelenwanderung zufällig in 
den nebligen Norden, an die Ufer der Themse verirrte und von da 
voll Heimweh nach dem poesieumwobenen, sonnedu-rchglühten Süden 
hinüberblickt. 
Dante 
Gabriel 
Rossctti 
Katholik 
und 
ltalicncr 
Inmitten 
seines 
Milieus 
englischen 
fühlte 
lzlteinisclu. 
Sein Vater, 
der 
grossc
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.