Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629162
XLVII. 
ENGLAND 
469 
David Scott War als Sohn 
eines schottischen Kupferstechers 
Robert Scott in Etiinburg 1806 ge- 
boren, im Frost und Schnee eines 
schottischen Winters. Sein schon 
bejnhrter Vater, cin ernster, gottes- 
fürchtigei" Mann, der Typus des 
alten, strengen, schottischen Puri- 
trmers, lebte, mit fünf Kindern be- 
lastet, karg und fastend dahin, ein- 
sam, Weit ausserhalb der Stadt, 
um jede Versuchung zum Auf- 
wand zu vermeiden. Nach Davids 
Geburt verfiel er religiösem Stumpf- 
sinn, da seine vier ältern Kinder 
ihm kurz nach einander durch eine 
Epidemie entrissen wurden. Es 
folgten dafür drei andere nach, und es ist rührend, in William Bell 
Scotts Buche zu lesen, wie die arme, ebenfalls geistig belastete Mutter 
die Nachgeborenen immer mit den Namen ihrer altern verstorbenen 
Brüder rief. In einer so strengen Familie, in der sich Heiterkeit fast 
wie Verrücktheit ausnahm, wuchs David in melancholischer Einsam- 
keit still und verschlossen auf. Als einer der ersten bezeichnenden 
Züge seiner Knabenjahre wird erzählt, er sei, als er einmal in kind- 
lichem Spiel sich mit dem Betttuch als Geist vermuminte, über sein 
eigenes Spiegelbild derart erschrocken, dass er ohnmächtig ZUSCLDIIDGH- 
brach und von einem schweren Nervenfieber beülllen wurde. Seine 
Phantasie war in krankhafter Thätigkeit  so wie Th. A. Hoffmann 
selbst das Grausen packte, wenn er bei Lampenliclit seine Geschichten 
niederschrieb  und durch Blakes Illustrationen bis zum Fieber- 
haften erhitzt. Namentlich die Idee des Todes reizte von Jugend an 
seinen Geist, und als er eines Tages, durch seinen Bruder Robert 
veranlasst, sich an einer poetischen Concurrenz betheiligte, dichtete 
er eine Ode an den Tod, so dunkel und mystisch, dass sie ihm den 
Preis. eine Guinee, einbrachte. 
Selbstverständlich musste einem solchen Phantasten, einem so 
glühenden, fieberhaften, poetischen Genie das mühselige Ringen mit 
der Farbe ein Hinderniss sein, nur als Zeichner fühlte er sich fähig, 
Alles auszusprechen, was seine Phantasie bewegte. 1331 veröffent-
        

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