Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629156
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XLVII. 
ENGLAND 
gekommen, war auch sein Ver- 
lliingniss. Nur kurze Zeit versuchte 
sein nordisclies Naturell den grossen 
Eindrücken zu trotzen. vTiZiAlN, 
schreibt er, wist ein alter Mann ohne 
Phantasie, "Fintoretto ein blinder 
Polyphein, Veronese nur der Page 
eines Dogen (4. Nlicheltmgclo kommt 
ilnn ungeheucrlicl1 vor und die 
Raileksclmn Loggien hält er für 
kindisch. Doch bald schlug seine 
Ansicht in das Gegentheil um: er 
gerietli in den Bann der grossen 
Todten. Das Resultat seiner röm- 
ischen Studien war das Riesenbild 
Drmle Rossetti 
ach dem Porlrlit von Hu 
x, das er 1834 nach 
hcimbrachtc: inhaltlich 
vDiSCOYdiLb 
Schottland 
ein echtes Erzeugniss englischer 
Gedankennialerei  die Erhebung des Sohnes gegen den Vtiter, etwas 
wie ein titanischei" Kampf zwischen der Vergangenheit und Zukunft, 
die neue Ordnung, die die alte Ordnung stürzt  formell das eklek- 
tischc Erzeugniss eines Mannes, der sich allzugenail den Laokoon; 
die inuskelstrotzendeii Gestalten Daniele du Volterras und die man 
tuanischen Fresken Giulio Romanos betrachtet hatte. Als er da- 
mit den geträumten Erfolg nicht hatte, fühlte er wie Wiertz sich 
als Märtjrrer und gerieth immci" mehr in tollkühne Extravaganzcn. 
184; schickte er in die schottische Alaademie eine Auferstehung der 
T odtcn, deren überlebensgrosse Gestalten Signorelli an Tcrribilitii Liber- 
bietcn sollten. Auf einem andern Bilde wTriumph der Lieber erging 
er sich  der fahlen Schatten und des bleichen Lichtes müde 
 in Llllglilllblldlöl], barbarisch rohen, grünblaueii Farbenorgien. Er 
gehörte als Maler zu jenen in der Kunstgeschichte des 19. jahr- 
hunderts häuHgen problematischen Naturen, die vor lauter titanen- 
hartem Wollen zu geringem Vbllbringen kamen, zu jenen thaten- 
losen Träuinergestalten, die voller Ideen und Entwürfe leben, aber 
nichts vollenden, und die Geschichte hatte ihn derselben Vergessen- 
heit wie jene Andern klllllßllllfzllltill lassen, bis sie nachträglich inne- 
ward, dass von Scott noch etwas Anderes übrig bleibt als diese ehr- 
geizigen Versuche. 
        

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