Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1629058
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XLVI. 
DAS 
WISSEN 
NEUIDEALISMUS 
gebracht. Die WLIHLlIDLIlCTCi kann versöhnend wirken, indem sie der 
Kunst den Sinn für das Grosse, Einfache, Bleibende, das kriiftigende 
Gefühl der Zwecksicherheit gibt. Die Anschauung, dass Baukunst. 
Malerei und Bildhauerei durchaus mit einander verbunden sein müssten, 
dass jede einzelne Kunst der andern bedürfe, um zur vollen Höhe sich 
aufzusclnvingen. die Ausbildung des Raumes zum Kunstwerk war 
das Ideal aller der Zeiten, die als wBltlIlICPCYiOLiCIMI. der Kunst ge- 
feiert werden. Das I9. Jahrhiundert hat bis jetzt eine Baukunst und 
eine Bildhauerkunst, eine Malerei, eine reproducirende und decorative 
Kunst, lauter Einzelkünste zur Entwicklung gebracht, die getrennt 
von einander mehr oder weniger blühen. Der grosse gesammelte 
Ausdruck seiner Lebenszlnschattlting fehlt ihm noch. Durch die YVand- 
malerei allein liesse sich ein Gesanuntxxrirken aller bildenden Künste 
erzielen. dem entsprechend, was Wagner in seinen musikalischen 
Dramen anstrebte und erreichte. Sie allein kann den Prüfstein bilden, 
0b die moderne Malerei endgültig das Epigonenthum abgestreift, ob 
sie auch zur Lösung von Aufgaben, bei denen sie direct mit den 
Werken der Cl11SSil{Cl' concurrirt, die Kraft in sich selbst findet, oh, 
nachdem die Zeiten der Nachahmung durch den Naturalismus über 
wunden, nun auch eigener Stil des  sich auspriigt. 
Und in dieser Hinsicht scheint vorläufig noch eine Uebergangszeit 
zu bestehen. 
Gewiss ist ein grosser Unterschied zwischen den WVerkendiesex' 
Neuen und denen der v(vrausgegangenen wILlCClllStCHx, die sich in deco- 
rativer Malerei versuchten. Nicht nur das Können ist weit grössei" 
geworden, auch das Gefühl hat sich frei gemacht. jene Aeltern kamen 
schon deshalb in ihren Werken nicht über das Muniienhtlfte hinaus, da 
sie sich in Gegensatz zu ihrer Zeit stellten und mit den Nerven eines 
liingst versunkenen Geschlechts zu fühlen suchten. Sie bemühten sich, 
stilvolle Nachahmungen zu geben, Stolie aus der Antike oder der 
Renaissance auch mit den Empfindungen jener Zeitalter zu be- 
arbeiten; in den Werken dieser Neuen pulsirt das Blut und vibriren 
die Nerven der Gegenwart. Jene waren Nachahmer, Calligizualieii, 
die Schulaufgaben nach alten Meistern machten, diese sprechen die 
Sprache des 19. Jahrhunderts, unsern eigenen geistigen Dialekt. Frohe 
Lebenslust, eine sichere Vitalruhe spricht aus den Werken der Alten. 
Der Charakter des modernen Gefühlslebens ist wesentlich melanchol- 
ischer Art. Der grosse Phantast von Zürich, 
Hcroennntur, lcbt in scincr kraftstrotzcndcn, 
eine Vollbluts, eine 
sonnigen Hcitcrkcit
        

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