Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1628951
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Ebenso Wichtig wie dies culturgeschichtliche war das rein künst- 
lerische lirgebniss. Mit einem VerfiallzeitäIdealismus, der, ohne an 
die Alten sich anzulehnen, nicht stehen konnte, hatte die Kunst des 
19. Jahrhunderts begonnen. Die Werke beruhten in der Mehrzahl 
auf dem Fundament der von den Griechen und Cinquecentisten liest- 
gestellten kanonischen Formen. Indem der Realismus sich in Gegen- 
satz zu diesem Imitirten und Eklektischen stellte, brach er nach einer 
Periode äusserlicher Nachahmung einer neuen selbständigen Natur- 
anschauung Bahn. Das Epigonenthtim, die Herrschaft des Schemas 
wurde überwunden und damit die Basis für eine neue Renaissance 
geschallen, denn jede selbständige Kunstepoche hat noch mit der 
Abschrift der Ntrtur, mit treuester Wiedergabe des Wirklichen be- 
gonncn. 
Gleichwohl 
konnte 
Rcalislnus 
nicht 
Ausdruck 
gesa m mte NVesen der Gegenwart bleiben. So viel smenschliche 
Documentea die Zola-Schule geschaffen hatte, so schilderte sie doch 
nur einen Theil des modernen Lebens; seine Trockenheit und Poesie- 
losigkeit, seinen Kampf um's Dasein, seine Massenherrschaft, seinen 
rauhen, plebejischcn Athem und seine breite. ungezvtttmgene Geberde. 
Zolas Menschen waren Dutzendmenschen, geistige Proletarier; für 
die feinen NVidersprtiche und seltsamen Seelenztistäntle überlegener 
Persönlichkeiten, für die Darstellung complicirten Gedankenlebens 
fehlte ihn1 der Blick. Und auch das Ziel der Maler, die parallel 
mit ihm gingen, war ausschliesslich die a1 ussere NVahrheit, die 
NVirklichkeit. Diese in ihrer derben Nacktheit oder ihrer vornehmen 
Eleganz, so wie sie ist, ohne Beschönigttng und Zuthat auf die 
Leinwand zu bringen, war ihre Absicht. Sie waren Positivisten, die 
alle Geschehnisse und Bewegungen des Lebens genau buchten. XVir 
erhielten von ihnen sehr viele Documente über das Leben der 
Bauern, der Gewerbetreibenden. die öffentlichen Vergnügungen, die 
Gesellschaft und die Familie. Es" wurde mit einer Ausführlichkeit, 
die nichts abschreckte, erzählt, wie man fischt und dinirt, was man 
während des Landaufenthatltes in der Sonne treibt, wie man Concerte 
besticht, auf Hochzeiten und Carnevalsvergnügungen, im Atelier und 
Salon sich benimmt. YVir sahen die Pariserin im Theater, die Pariserin, 
die zur Soiree fiihrt, die Pariserin, die von der Soiree zurüclekonnnt, 
die Pariserin, wie sie über eine Brücke geht, die Pariserin mit dem
        

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