Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1628923
XLVI. 
WEsx 
ZUIDEALISMUS 
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Finsterniss verfallene Kirche, und du, alter Dante, erhebe dich von 
deinem  katholischer Homer, und mische deinen Zorn 
mit der Trostlosiglxeit Buonrtrottis. Doch seht  ein Strahl er- 
scheint vom heiligen Licht, ein bleicher Glanz verbreitet sich.  
o XVunder über Wunder-eine Rose erhebt sich, öffnet gross ihren 
Kelch und tnnschlingt mit ihren Blättern das heilige Kreuz.    das 
Kreuz erstrahlt in himmlischem Glanz, Jesus hat die NVelt nicht ver- 
flucht, er nimmt die Anbetung der Kunst entgegen. Die Magier 
waren die Ersten, die zum göttlichen Meister pilgerten, die Magier 
werden als die Letzten seine Kinder sein. Der hehre Enthusias- 
mus des Künstlers überlebt die erloschene Frömmigkeit von einst. 
lilende Moderne. haltet ein in euerm Lauf zum Nirwana, fallt nieder 
unter dem Gewicht eurer Sünden, eure Gottesliisterungen werden 
den Glauben nie tödten. Ihr könnt die Kirchen schliessen  doch 
die Museen? Der Louvre wird die Messe lesen, wenn Nette-Dame 
protanirt ist. ja, Strauss hat geleugnet, aber Parsifttl beweist, und 
der Erzengel Fra Angelicos tibertönt mit seiner erhabenen Stimme 
das gottlose Weibergewiisch lirnest Renans. 
Die Menschheit, 0 Heiland, wird immer zu deiner Messe gehen, 
wenn die läiester Bach, Beethoven, Palestrina sind. Elende Moderne, 
ihr werdet nie siegen, der heilige Georg tödtet immer von Neuem 
das Ungethtlm. und das Genie, das Schöne wird immer Gott sein. 
Brüder in der Kunst, ich lasse den Kriegsruf erschallen, bilden wir 
eine heilige Schaar zur Rettung der Idealität. Wir sind XVenige gegen 
Alle, doch die Engel ltiütipfen mit uns. XVir haben keinen Führer. 
aber die alten Meister leiten uns dem Paradies entgegenß? 
So hinteren die_Worte, die Sarjoscph Peladan im Frühling 1892 
dem Katalog der w Rosen 1- Kreuzen-Ausstellung in Paris voranschicltte, 
der übrigens nicht wCzitttlogtiee, sondern wGeste esthetiqtiea betitelt war 
und das Motto sNOll nobis Domine, sed nominis tui gloriae soli. 
Alnem an der Spitze trug. Die Aussteller selbst nannten sich Magier 
oder Aestheten und waren nebenbei noch mittelalterliche Katholiken, 
die die gothische Rose als ihr Sinnbild gewählt und den Rosenkranz- 
orden neu in's Leben gerufen hatten. Sie malten, hielten sich aber 
auch für Musiker, und Nachts um die zwölfte Stunde trieben sie 
Geisterbeschxxiörung. Der grossen Menge gegenüber gaben sie sich 
als Hierophanten und portriitirten sich im Katalog als chaldiiische 
Magier in kabbalistischen Studien. Um vor allem Volk ihre Frömmig- 
keit zu zeigen, liessen sie am ErölTntmgstag ihres Salons eine Messe
        

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