Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1628839
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XLV. 
AND 
  ,     4.   i;  selige Verzückung der Hexe. die mit 
Q      verkliirtem liicheln den lilamnien- 
       tod leidet, wären nicht gemalt wor- 
:   44  -    i"   kltllLlllllltCllllltlllt ClILIYCOIL1l1Ll_RlCl1Cl' 
if  1 i      damals das Interesse aufhytvnotische 
 iixihdiiäii ;  Forschungen gelenkt. 
   i"   Doch am allerfeinsten wirkt ein 
      i  liarbentemperament wie Keller nicht 
„ es)   i; in vollendeten Bildern, sondern in 
     MA  Skizzen. wo das Ursprüngliche. 
   h: schöpferische,Individuellesicli noch 
i    ltriifitiger erhält als dort, wo es in der 
    f  ; Ausführung leicht sich verflüchtigt. 
   ab.    DasPrivilegium des Gourmes isteine 
     so feine Zunge, um in der Berührung 
Gmf Lwpüh! w" Ayukkrflljb. der Speisen Iinipiindttngen zu haben, 
die Andern entgehen. liür solche 
künstlerische Gourmes, deren Augen für den Geschmack der Farben iihn- 
lieh sensibel sind. arbeitet Keller. Es ist gleichgültig, was er darstellt, 
niedliche Interieurs mit Kindern. junge Damen, die am Klavier sitzen. 
lesen oder mit ihrer Toilette beschäftigt sind, Religiöses oder Mytho- 
logisches  die Gestalten und Stolle entwickeln sich aus dem Farben- 
gedttnken heraus, und die Farbenaccortle, die er anschliigt, sind wol- 
lüstig schmackhaft. Jede Skizze von ihm ist ein Feines, kokettes 
Juwel, ein Bijou von kitzelndem Reiz. Er sah die Asphaltmaler und 
die Gratimaler an seinem Fenster vorüberziehen und blieb immer der 
gleiche: ein coloristischer Charmeur von prickelnder Grazie, in die 
vornehme Familie derer gehörig, die das 18. lahrhundert peintres 
des fetes galantes zu nennen pflegte: Alfred Stevens, Decamps, Isabey, 
WLIIICLILI. 
Beim Freiherrn von Htl-[JCFIILILIIIL ist diese coloristische Sensibilität 
mit einem stärkeren Stich in's Decadente  Nordau xxftirde sagen: 
in's wEntartetes  verbunden. Er ist ein esprit tourmente, ein Lebe- 
mann der Kunst, der sich für die gewöhnliche Kost den Magen ver- 
dorben und nur die starke W'ürze ungewohnter Seltstunkeiten noch 
schmackhaft findet. Anfangs ll11 Banne der Piloty-Schtlle, unter dem 
Druck altmeisterlicher Ideale stehend, zeigte er schon danmls eine 
erstaunliche Sicherheit und hervorragenden Geschmack. Ein Hauch 
der Wehmuth, eine bittere pessimistische Weltanschauung sprach aus
        

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