Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1628680
XLV. 
DEUTSCHLAND 
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Üelmaler durchaus nicht, was man einen geschickten Techniker nennt. 
Man xxrird von seinen Bildern nie sagen: welche Geschicklichkeit. 
sondern immer nur: welche Anschauung. Gleich Millet ringt er mit 
der Farbe. Es Fehlt seinen YVerken das Leichte. Sie sind manchmal 
linkisch und mühsam, herb und ungeschlacht, gequält und ölig. Be- 
sonders störend macht sich das fühlbar in den kleineren vielligtirigen 
Bildern, wie die ))GCLlilCl]tlllSSi_ClCl' für Kaiser Friedrich im Walde bei 
Kösena, die wholläintlische Marktscene 189m, das wMÜIIClICHCY Bier- 
concerta und anderen, in denen erauf Menzels Gebiet ilbergrill. 
Qbwohl als Mensch ein geistsprühender Plauderei", eine nervöse be- 
wegliche Natur, erreicht er in solchen Werken, in denen er das bunte 
'l'reiben einer bewegten Menge und das tiinzelntle Spiel der durch 
Laubwerk rieselnden Sonnenstrahlen zu malen versucht, doch nie 
das Prickelnde, Sprühende, das Menzel eigen. Eine gewisse Plump- 
heit und ungefüge Schwere steht im Widerspruch mit der beweg- 
lichen Natur der geschilderten Dinge. 
liebermtmns vorstechender Charakterzug ist nicht malerische 
Pikanterie, sondern monumentale Grosszfigigkeit, ein Zug in's Epische, 
das Streben, das Gescliaute in grosse Formen. zusammenzufassen. 
So wie er selbst einmal schreibt: wNicht das sogenannte Malerische 
ist's, was ich suche, sondern die Natur in ihrer liiniiiclilieit und Grösse 
aufzufassen  das Einfachste und das Schwerstee. Aus diesem 
Grunde sind im Allgemeinen auch seine Interieurbiltler wenig glück- 
lich. Statt subtil und stimmungsvoll zu sein, wirken sie oft derb, 
leblos und kreidig. Es ist, als fühle seine breite Technik sich ein- 
geengt im geschlossenen Raum. Am freiesten wirkt er, wenn er 
die mächtigen Akkorde gross gesehener, einfacher Landschaften er- 
klingen lässt, aus denen die Silhouetten einzelner Arbeiter anfragen. 
XVo bei Menzel ein Sammelsurium, ist dann bei Liebermann ein 
gewaltiger Natureiiitirtick, eine edle Einfachheit. Diese nüchternen 
Flachen, die in weiter Ferne den Horizont berühren, und diese 
Figuren, die mit so staunenerregentiei- Natürlichkeit im Ratune stehen 
 das ist echte wgrosse Kunstw, monumental in der XVirkung. 
Und dieses Millefsche läatimgefühl ltommt in seinen Zeichnungen 
und Pastellen noch weit elementarer zur Geltung. In Oelbildern 
schwer und mühsam, erreicht er hier eine erstaunliche Weichheit 
des Lichtes; die Gestalten lösen sich ltörperhaft los, leichte Luft 
füllt den Raum und gibt dem Auge die Vision unendlicher Ferne. 
Seine Ratlirungen,  bis jetzt etwa zwanzig  haben nur in
        

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