Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1628565
XLV. 
DEUTSCHLAND 
409 
Carl Hrfüzer fand in der weichen Parknatur Englands ansprechende 
Motive: stille Landsitze, die traulich, unter Bitumen versteckt, träumen 
und einsame Weiher, in denen triig hinziehende Wolken sich spiegeln. 
Allein weder Lier selbst in seinen spiitern Jahren noch einer seiner 
Nachfolger besass die Achtung vor der Natur, die nöthig gewesen 
wäre. um aus den Lehren der  den vollen Gewinn 
zu ziehen. Nur Anfangs, beim ersten Bekanntvxterden des Paysage 
intime, erfrischte man sich an dem neuen Quell. Die späteren zeigen 
ihn sehr versetzt mit unpassenden Gewürzen. Zur Zeit, als der alt- 
meisterliche Galerieton die Figurenmaleri beherrschte, ward auch die 
Landschaft diesem Einfluss unterthan. Liers warmes goldiges Licht 
wurde in der Münchener Schule zur Formel. Auf die schöne Vedute 
folgte der schöne Ton. Man betrachtete die Natur noch immer zu 
Gunsten vorgefasstei" Stimmungen, wodurch die schlichte Naturpoesie 
der Franzosen allmählich in ihr Gegentheil verkehrt wurde. 
So lagen die Dinge, als in Paris die Impressionisten den Ruf 
nach Licht und Sonne erschallen liessen und durch die imposante 
Bctheiligtmg der Franzosen an der Münchener Attsstellung 1879 
von diesen Neticrungen genauere Kunde ward. Nachdem 1869 Cour- 
bet am deutschen Kunsthimmel aufgegangen, wiesen die Aussteller 
von 1879 auf den Weg, der von Courbet zu Millet, zu Manet und 
BastiensLepatge führte. 
Bald darauf merkte man eine gewisse Veränderung in den deut- 
sehen Ausstellungen. Zwischen den grossen Historien, altmeister- 
lichen Kostümstücken und veralteten Genrescenen hingen hier und 
dort sehr bescheidene Bilder, die von keinen Staatsactionen und 
amüsanten Schwanken erzählten, sondern Einfaches, Unscheinbares, 
unmittelbar Beobachtetes darstellten. Sie schilderten den Menschen 
bei der Arbeit: Hirten, Bauern, Schuhmacher, Netzeflickerinnen, 
Segelniiher und Drahtbinder, sie schilderten ihn bei der Erholung 
im Biergarten oder bei der gezwungenen Unthatigkeit des Alters. 
Die dargestellten Personen agirten nicht mit dem Publikum, wie 
auf früheren Genrebildern, sondern gingen still in der Sache auf, 
Alles war getilgt, was an die Beziehung zwischen Modell und 
Künstler, zwischen Figur und Ausstellungsbesticher erinnern konnte. 
Aber auch das Leblose, Versteinerte, das den Erzeugnissen des Real- 
ismus anhaftete, war gewichen. Kraftvoll wehte der Wind um die 
Figuren; nicht nur Bauern und Bauernkittel sah man, sondern glaubte 
Land-, Wald- und Erdgeruch zu  WVie das moderne Drama
        

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