Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1628325
XLlV. 
RIKA 
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plitnd man iiist Mitleid mit diesen 
Menschen, deren Religion so jedes 
mystischen Reizes entbehrt. Die 
Kirche war kahl und eintönig; dem 
entsprachen die stumpfblauen, grü- 
nen und grauen Farben der Kleider. 
die dem Bildscinen eigenthümlich 
kühlen und trockenen Ton gaben. 
Gange Hitchcock, der mit Mel- 
chers zusammen in Egmond lebt. 
verbindet mit dein holländischen 
Phlegmn eine gewisse zart englische 
przterztilielitische Nüance. Man kennt 
den holländischen Frühling: wenn 
die berühmte Blumenzucht einen 
blendend bunten Teppich von George Hildmcjtx 
dunkel und hellrothen, himmel- Ö 
und veilchenblatien, rahmgelben 
und weissen Tulpen rings um Städte wie Haarlem und Egmtwnd breitet, 
wenn berauschender Duft die Lüfte füllt und Nachtigallen in den 
grünen Heizungen schmettern. Ein solches Bild, die wTulpenzuchtß, 
begründete im Salon 1885 Hitchcocks Ruf. Auf einem seiner späteren 
dehnte sich ein weisses Lilienfeld aus neben einer grünen Wiese. Die 
Blumen waren hoch emporgeschossen und reichten dem jungen Latnd- 
miidchen fast bis zum Gürtel, das ernst sinnend durch die idyllische 
Landschaft schritt. Ein zarter Strahlenreiti schwebte über ihrem Haupt 
 es war Maria, die die frohe Botschaft des Engels erwartete. Auch 
die Dünen mit ihrem hohen, grau-grünen Gras und ihrer melanchol- 
isch feuchten Atmosphäre malte er gern. Bald stehen Schiiferinnen 
-]eanne d'Arc betitelt  sinnend bei ihrer Heerde, bald schreiten 
junge Bauernfraue11, von ihren Kindern begleitet, von der Feld- 
arbeit heim. 
Während diese in Holland thiitigen Amerikaner ihrem Aufenthalts- 
ort entsprechend einen gewissen provinciellen Charakter, etwas 
Phlegmatisches und Gemüthliches annalnneii, sind die in London 
thiitigen wieder vielgereiste, vornehme WVeltiniinner, elegant, raffinirt 
und rlimmernd. Sie haben in Paris sich Alles angeeignet, was dort 
zu lernen ist, und diesem Pariser Chic noch ein duftiges angel- 
siiehsisches Aroma gesellt. 
M oderus Malerei llI.
        

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