Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1628088
XLIII. 
RUSSLAND 
361 
braunrothe, schweiss- 
triefende Stirn. Der 
eine und andere hält 
die Arme schützend 
gegen die seugenden 
Strahlen v0r's Gesicht. 
Eine eintönige schwer- 
müthige, barbarische 
Weise singend, schlep- 
pen sie die hochmast- 
ige Getreidebntrke 
stronmuf durch die 
weite, menschenleere 
Fläche, gestern wie 
heute und wie heute 
so morgen. Es ist, als 
wären sie seit Jahr- 
hunderten schon so 
einhergeschritten, als 
würden sie weitere 
jtthrhunderte so hin- 
ziehen. Typen des europäischen Sclavcnlebens, bunt zusammengcxviir- 
felt vom Schicksal, aus dem Norden, Süden und Osten des weiten 
Reiches; verschiedener slavischer Stämme Söhne, eherne Gestalten 
zumeist, aber auch gebrechlich Aussehende, gleichmüthig die einen. 
finster brütenal die andern  alle an demselben Strange ziehende 
Mit diesem Bilde, einer Epopöe des russischen Yiolksgeistes, 
war Repin ein fertiger Künstler. Er hatte diese abgemagerten, wie 
Thiere verwendeten Menschen mit dem Blick des Philanthropen und 
dem Adlerauge des Künstlers gesehen, ihre leidvollen Lieder hatten 
ihn tief erschüttert, er griff mit eiserner Hand die furchtbare Wirk- 
lichkeit an und brachte sie mit voller Wahrheit und glühenden Farben 
auf die Leinwand. Es liegt auf dem Bilde ein stummer" Gram, das 
ganze pessimistische Dunkel, das über Russland schwebt. Noch kein 
anderes WVerk hatte mit allen Mitteln der europäischen Malerei so 
ergreifend von dem ergebenen Leid, all der müden Wunschlosigkeit 
erzählt, die die Besonderheit dieser Race bildet. Und derselbe ur- 
kräftige Meister ist Repin, mochte er Porträts, das Bauernleben oder 
Bilder aus der russischen Geschichte malen, auch in seinen späteren
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.