Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1627899
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XLIII. 
RUSSLAND 
schilderte. Sisclzen71'0tusl.j' führte in einer Reihe energischer Litho- 
graphien Typen aus dem Petersburger Strassenleben vor. T scherny- 
schew, Morosow, Iwan Sokolow, Trutowsky, der hübsche aber oben 
Hiichliche Illustrator Timm, Popow, Shnrawlew und Andere traten 
mit frischen, anspruchslosen Bildern aus dem russischen Volksleben 
auf Der Sieg der Genremalerei W211" entschieden, als auf der Aus- 
stellung 1849 Paul Alzrlreßwitsclz Ferlofow mit drei Bildern aDer neu- 
gebackene Ordensrittem, wDie wählerische Brautx und die wBTflLlt- 
Werbung des Majorsc erschien. Sie haben für Russland die Bedeut- 
ung wie für England die Werke Hogarths. 
Fedotow, als Kind armer Eltern 181g in Moskau geboren, war 
Officier gewesen, bevor er sich der Malerei zuwandte. Schon im 
Cadettencorps zeichnete er Kameradenporträts, Paraden und Strassen- 
scenen, und trat, nachdem er seinen Abschied genommen, in die 
Schlachtenmalerlalasse der Petersburger Akademie ein  die einzige 
Abtheilung, wo Schüler in eine gewisse Berührung mit dem Leben 
kamen. Seine Arbeiten aus dieser Zeit  wie das grosse Aquarell 
der vAufnahme des Grossfürsten Michael in das {inländische Leib- 
garderegiment 183W  haben in ihrer schlichten Sachlichkeit etwa 
in den Werken Franz Krügers eine Parallele. Er hat die steife, selbst- 
zufriedene Soldateska in ihren engen Uniformen und lächerlichen 
Czakos sehr lebendig und ohne satirische Nebenabsichten gezeichnet. 
Gogols Erfolg veranlasste ihn dann, von der Uniform zur Schilderung 
des bürgerlichen Lebens überzugehen, und seine Bilder wurden auf 
der Ausstellung mit Recht als ein pikantes Pendant zu Gogols Schöpf- 
ungen begrüsst. 
vDer neue Ordensritter-a zeigt das Zimmer eines Subalternbeamten, 
der seinen ersten Orden erhalten und zur Feier dieses Ereignisses 
seinen Kameraden am Abend vorher einen Schmaus gegeben. Er 
konnte der Versuchung nicht widerstehen, gleich beim Anbruch des 
Tages sich seine neue Glorie wieder auf den Schlafrock zu hängen, 
doch seine Köchin zeigt ihm spöttisch die einzigen, abgetragenen und 
durchlöcherten Stiefel, die sie zum Ausputzen wegbringt. Der Boden 
ist mit zerbrochenem Geschirr, Flaschen, Gläsern und Speiseresten 
bedeckt, und unter dem Tische liegt noch ein betrunkener Gast, der 
eben erwacht und sich müde die Augen reibt. In den hauptstiidt- 
ischen Kreisen machte das Bild ungeheures Aufsehen; solche Kühn- 
heit, über kaiserliche Auszeichnungen zu spotten, war unerhört. Als 
es lithographirt werden sollte, verweigerte die Censur die Erlaubniss-
        

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