Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1627704
XLII. 
NORWEGEN 
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doch ist Alles in eine schunnnerige T raumzttn1ospliiire gehüllt, aus 
der das Uebernatürliche von selbst emporspriesst. Dieses einsame 
zerfallene Haus, man ahnt schon, dass drinnen merkwürdige Dinge 
geschehen. Dieser Hügel über dein Fjord, WO die drei Königstöchter 
sitzen und triiun1en  es ist Norwegen, aber zugleich das Land der 
Feen. Diese Birkenwiildchen mit ihren schin1n1ernden Aesten  auf 
jeder norwegischen Landschaft finden sie sich, aber in Were11skiolds 
Zeichnungen gleichen sie Zauberhainen, in denen silberne Bäumchen 
goldene Blätter trztgen. Ebenso phantastisch wie intim, weiss er alle 
Seiten der Legende zu packen, ihre Komik und ihre Schrecken, ihr 
kindliches Lachen und ihre jungfräuliche Grazie, das Drollige der 
Gnomen, wie die Bestialität dreiköpliger Riesen, das urweltlich Phan- 
tastische sagenhalter Thiere, die in öden Felsenwtisten hausen, das 
elfenlmlt Zarte der YVesen, die strömend sich in1 Dunstkreis rings 
verbreiten. 
Die fi nländisch e Kunst ist mehr ein Annex der schwedischen 
und von derselben französischen Erziehung. Ihr Hauptrepriisentant 
ist Edeljrlf, laeine ungestüme Kral-tnatur, sondern ein eleganter, viel- 
seitiger Maler, der die gesunde Naturfrische des skandinavischen Auges 
mit dem koketten Chic von Paris, die malerische Feinftihliglqeit der 
Franzosen mit jenem Hauch unwiderstehlicher jugendfrische vereint, 
wie sie nur unverbrauchten Völkern eigen. Das Werk, das ihn zuerst 
bekannt machte, war ein Porträt Pasteurs, den er in seinem Labo- 
ratorium, bei der Untersuchung eines Präparates, malte. In den 
vWeibern am KlfCllllOfa gab er ein niedliches Stück hnischen Volks- 
lebens, In den wbäldtllltlßl] Bubem malte er wie Zorn den Wellen- 
schlag  die tintergehende Sonne, die ihre letzten Strahlen über ein 
schlafendes Gewässer warf und l-zosentl elastische junge Körper um- 
sPielfß. Seine DVVYLISClIkilClICQ  eine Harmonie gelb in weiss  ge- 
hörte 1893 zu den Perlen der Münchener Ausstellung, und in der 
ßMagdalentt zu Füssen JCSLM hatte er, der von Uhde atisgegebenen 
Parole folgend, den Stoff wie eine finische Legende behandelt. Christus 
stand in einer nordischen Landschaft; zu seinen Füssen kniete nicht 
diC grosse Courtisane des Evangeliums, sondern eine arme Bäuerin 
in jener schweren, nonnenhaften Volkstracht, die in den russischen 
Ostseeprovinzen getragen wird: Finland gehört ja zum Zaarenreich.
        

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