Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1627193
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Neapel eine unermessliche  an gemalten und un- 
gemalten Bildern. 
Hoeckert hat nicht viel producirt, aber jedes seiner Bilder war 
gut. Sein wGOttCSLliCnSt in Lapplanda  18 Männer und lirauen. die 
in schmuckloser Dorfkapelle den Worten des Predigers lauschen  
erhielt auf der Pariser Weltausstellung 1836 die erste Medatille und 
wurde für das Museum in Lille erworben. Einige Kritiker gingen 
soweit, ihn mit Delacroix zu vergleichen. Das ist gewiss mit grosser 
Einschriiiiltung zu verstehen. Hoeckert hat nichts von dem glühenden 
Pathos des französischen Revolutionärs; er ist ein Lyriker, kein" Dra- 
matiker, keimt keine Ekstase und keine Spannung  aber seine Bilder 
waren doch die kühnsten, die bis dahin in Schweden gemalt wurden. 
Das wIDDCFC einer lappliintiischen Hüttüa  1857 im Pariser Salon 
ausgestellt und 1858 vom Stockholmer Nationahntiseum erworben  
könnte in seinem feinen Goldton von Ostade herrühren. Einzelne 
Interieurs mit spielendem Sonnenlicht, geöffneten Läden und warmem. 
in das schummerige Zimmer hereinfltithenden Tageslicht bezeugen, 
welch" hingebendes Studium er Pietcr de Hoogh gewidmet hatte. 
Von jedem genrehaften Inhalt ist abgesehen. Hoeckerts sgoldige 
Farbea taucht Alles in MärchenStimmung. Das niedliche Costüm- 
bild sBellman in Sergels AtCliCTs klingt in seinen tiefen saftigen 
Tönen an gute Jugendarbeiten Roybets an. Und auch sein letztes, 
kurz vor seinem Tode 1866 ausgestelltes Bild, den sBrand des Stock- 
holmer Schlossesa, malte er nicht als historisches Document, sondern 
nur wegen der lustigen Reflexe, die der Fetierschein auf den alten 
Costümen erzeugte. Hoeckert war  der erste in Schweden  
weder Genre- noch Historienmaler, sondern Maler schlechthin. Das 
sichert ihm in der Kunstgeschichte eine bedeutende Stellung. 
Murren Eslril Wiirge erstrebte mehr, als ihm zu erreichen ver- 
gönnt war: er ist in der schwedischen Malerei der Mann der grossen 
Formen und grossen Leinwandfiachen. Bis 186; in Rom ansässig, 
hatte er dort hauptsächlich Giulio Romano, Daniele da Volterra, 
Catravaggio und andere muskelkriiftige Italiener des 16. und 17. jahr- 
hunderts sich angesehen, deren übermenschliche Formen er auf nord- 
ische Sagenfigtiren zu übertragen suchte. Das eine dieser Riesen- 
bilder, für deren Fertigstellung er das grösste Atelier in Stockholm 
miethete, zeigt Loke und Sigyn, das heisst einen schwarzhaarigen 
Titanen a la Caravaggio und ein mildes, blondes Weib 21 la Riedel. 
Wie hier Liebe und Geduld gegenüber Bosheit und List, so wollte
        

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