Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1627171
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XLI. 
SCHWEDI 
wohl erwogen und bedachtsttm berechnet, die Rollen zwischen den 
Mitwirkendeyiisf geschickt vertheilt. jede Figur hat etwas Beson- 
deres zu sagen, eine Menge kleiner Attribute muss wie bei Hogarth 
dazu dienerl, den Charakter jedes Einzelnen zu beleuchten, und 
dieser Charakter  das ist selbstverständlich  muss stets ein wohl- 
erzogener sein, der im Salon kein Aergerniss gibt. Ist ein solches 
für ein Sophabild geeignetes Geschichtchen auf angenehme, leicht- 
fassliche Art erzählt, so ist das Ziel erreicht, die coloristische Haltung 
ist Nebensache. Ein Stück Natur zu malen, bloss mit der Absicht, 
den Ausdruck für eine Farbenstiininung zu geben, lag nicht im Pro- 
gramm dieser Maler. Alle ihre Bilder sind besser erzählt als gemalt. 
Die Zeichnung ist charakterlos, die Pinselführung dilettttntischf Es 
erfolgte dieselbe Reaction wie anderwiirts: Die Gedanken erschöpften 
sich und die Malerei wurde nicht besser. Die Pariser Weltausstellung 
I 867 unterschrieb das Todesurtheil der altdüsseldorfer Schule. München 
hatte mit Piloty die coloristische Führung in Deutschland übernommen. 
Knaus war nach Paris gegangen, um dort zu erwerben, was Düssel- 
dorf ihm nicht bieten konnte. Seitdem fühlten auch die Schweden, 
die rheinische Akademie sei für sie nicht mehr der geeignete Boden. 
In den Briefen der Stipendiaten beginnen die Klagen über die ver- 
alteten Lehrprincipien, und was für die frühern Düsseldorf gewesen, 
wurde für die folgenden Paris und München. 
Die Regierungszeit König Karls XV., der mit stets xvztchem Wohl- 
wollen und offener Börse die Interessen der Kunst und der Künstler 
förderte, wurde für die schwedische Malerei dasselbe, was für die 
Münchener die Zeit von Piloty bis Makart, von Diez bis auf Löfftz 
gewesen: das coloristische Problem taucht auf. Man stndirt die 
alten Meister und versucht an ihnen sich einporzuztrbeiten zu einer 
künstlerischen Malweise. Da solche Kunstgrilfe der Palette an den 
bunten Costümen der Vergangenheit am erfolgreichsten zu erprdbeti 
sind, tritt das Historien- und Costümbild zunächst in den" Vorder- 
grund. An Tricots, Mänteln und Schauben lernte man vom anek- 
dotischen Inhalt sich befreien und malerisch sehen. 
Der Vermittler dieser Principien, der schwedische Piloty, war 
[oharm Kristojjfer Bolelzmrl, ein Schüler der Münchener Altademie und 
Coutures. Die Stoffe, die er in seinen Bildern behandelte, waren 
deutsch, die Malweise war französisch und wurde von den jungen 
ebenso bewundert, wie die Münchener damals den Seni Pilotys an- 
staunten. Boklund malte Costümbilder: Gustav Adolfs Abschied von
        

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