Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1627133
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SCHWEDEN 
zwischen denen das Licht in grossen Massen auf weiches Gras fällt, 
bald SIIELlIllDlLILIC Landseen mit klarer, goldiger Luft und Schiffen, deren 
Segel in allen Farben des Prismas schillern, bald schattige Haine 
und felsenreiche, von Riesenbiiumen der Urzeit bewachsene Dünen. 
Fahlcrantz idealisirte die Natur, steigerte die Lichteffeltte, arrangirte 
die Natttirfragmente Ruysdaels und Everdingens zu phantastischen 
Compositionen. Der T hiergarten von Stockholm bevölkerte unter 
seinen Händen sich mit fabelhaften Thieren und tiefen Höhlen, die 
ihm das Aussehen einer "Wolfsschlticht geben. Seine Bäume sind 
von unbestimmter Art, die Himmel rosig, die Farben warm und 
sehr nachgedunkelt. Doch zuweilen, wenn er absah von allzu 
willkürlichenl romantischen Pathos, sind seine Bilder wirklich von 
träumerischei" Poesie und geben voll die vom Maler beabsichtigte 
Stimmung. 
Gustav Wilhelm Palm  in seinen spätern Jahren Palnia vecchio 
genannt  könnte am ehesten mit den Franzosen Michallon oder 
Paul Flandrin verglichen werden. Sein Studienfeld war noch fast 
ausschliesslich Italien. Aber mit einer weitgetriebenen Compositions- 
und Arrangirtingslttinst vereinigte sich in seinen Bildern doch eine 
gewisse realistische Detailmalerei, die nicht mehr im Sinne der 
eigentlichen Classicisten nur den 2131111111 an SiChx kannte, sondern 
dem Charakter der Vegetation mit wissenschaftlicher Genauigkeit 
nachging. Seine Oliven, Pinien, Gräser, Blumen waren mit spitzem 
Pinsel botanisch treu durchgearbeitet und erfreuten sich deshalb vor 
jo Jahren eines schwer verständlichen Ruhmes. Und diese liebevoll 
sorgfältige, aber philisterhaft ängstliche Naturbetrachtting in Ver- 
bindung mit einer auf Wahrheit bedachten, aber harten und bunten 
Farbenscalat blieb ihm auch eigen, als er nach I6 jähriger Abwesen- 
heit in die Heimath zurtickkehrte und neben italienischen Motiven 
zuweilen kleine nordische Landschaften  Architekturpartien vom 
alten Stockholmer Hafen oder die Kreuzgänge von Wisby  malte. 
Egron Lundgrren war der schwedische Fromentin: ein Kosmopolit, 
der sein Studienfeld bis nach Indien ausdehnte, ein geistreicher 
Improvisator und Gourme der Farbe, dessen kokette Kunst wie die 
des Franzosen halb der NVirklichkeit, halb der Manier gehört. Schon 
seine Bilder aus dem italienischen Volksleben, wie die vCorpus Domini- 
Prozessiom von 1847, könnten mit ihren pikanten coloristischen 
Effekten in der Nähe Decamps gemalt sein. Doch sein eigent- 
liches Gebiet fand er erst, als er, nach Barcelona gekommen, dort
        

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