Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1627117
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XLI. 
SCHWEDEN 
classicistischen Plastik offenbart und schon aus diesem Grunde in 
der allgemeinen Kunstgeschichte einen bedeutenderen Platz verdiente, 
als ihm in der Regel gewährt wird. 
Auf dem Gebiete der Malerei war der Uebergang vom 18. zum 
19. Jahrhundert wie andcrwiirts eine Periode des Verfalles. Auf die 
Kraftanstrengung von früher folgte eine Abmatttting, eine steife und 
eintönige Malerei. Die lebendigen Farben der gustavianischen Zeit 
erscheinen gebleicht  die Farbenasltese Davids hatte ihre grauen 
Schatten bis nach Schweden geworfen. Priamos vor Achill, Adonis 
zwischen Diana und Venus; Endymion, Phaetlra und Elektra hatten 
auch im Norden aller Leinwand sich bemächtigt. Am fiaiclitbarsteii 
in der Anfertigung solcher Idealgestalten war Per IOzzßI, der sich im 
Beginne des Jahrhunderts bei David eine strenge Zeichnung und ein 
indiPferentes Colorit aneignete, und dann in der Heimath durch seinen 
SgYOSSCD Stils zu imponiren wusste. Frcderik ßVtrstizz, die Incarnation 
des Akademikers, der sich kein Bild ohne gelbbraun lederfarbige 
nackte Leiber denken konnte, geht etwa mit Gerard und Girodet pa- 
rallel, deren süsslicher Zierlichkeit er einen Stich in's Barbarische gab, 
und hat ausserdem geleckte Porträts im Sinne Josef Stielers hinter- 
lassen. Das Evangelium einer steifleinenen classicistischen Landschafts- 
malerei wurde durch Elias Martin verkündet. Wenn der Porträtist Karl 
Frealerilc vor; Breda in weit höherem Maasse als Maler erscheint, so 
verdankt er das dem Umstand, dass er längere Zeit bei Reynolds und 
Lawrence arbeitete, an deren Principien er zeitlebens festhielt. 
Der Romantismtis erweiterte wie anderwiirts das Stoffgebiet und 
setzte die Farbe in ihr altes Recht. Man versuchte die nordischen 
Göttermythen zu beleben, befreite die Landschaft vom classicistischen 
Schema, war religiös angehaucht wie die Nazarener oder durcheilte 
Italien und den Orient auf der Suche nach malerischen Stoffen. 
Der schwedische Nazarenei" nannte sich Karl Plzzgenzazz. Ein 
traumerischer Gefühlsmensch mit grossen schwiirmerischen Augen 
berauschte er in Italien, das seit 1831 sein Wohnsitz war, sich an 
der Mystik der katholischen Kirchen und dem Glanze der Altarbilder 
in dem Maasse, dass er vor lauter Verehrung der alten Meister nie 
zu eigenen Leistungen gelangte. sDie Todten haben mein Gefühl 
erweckt, und die Todten sollen meine Lehrer SCills. Wie unserm 
Overbeck galt ihm die Zeit von Cimabtie bis Perugino als die eigent- 
liche Blüthezeit der Kunst, und seine religiösen Bilder sind nicht un- 
geschickte Imitationen der alten Muster. 
        

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