Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1626938
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DÄNEMARK 
  V iggo [ohanseiz ist wohliderjenige, 
der gegenwärtig diese dänische Kunst 
  moralisch, mit all ihren angeborenen 
      Eigenschaften, am besten vertritt. 
43  Ü Keiner hat so die alte T radition in- 
  timer Beobachtung mit modernstem 
   " StudiumderLichtwirkungen vereint. 
   Er ist par excellence der Maler der 
     Intimität, was nicht das Gleiche wie 
   aIGenremalerQ bedeuten will. Maler, 
    die in genrehafter Weise Familien- 
   7h   i  ggf, scenen in Zimmern darstellen, gibt 
g      f  1;;  es in jeder Schule: aber wenige leb- 
i  32.;     ten seit Chardin, die wirklich wahr, 
  Ohne Affektirtheit und Fadheit, die 
      Poesie des Familienlebens schilder- 
     ten. Dazu genügt nicht blosse Ge- 
Vigg"  schicklichlteit; die ganze Seele muss 
bei der Sache sein, Kunst und Leben 
müssen sich durchdringen. Bei johansen hat man das Gefühl, dass 
er wirklich glaubt, was er sagt. Er ist nicht nur ein Künstler von 
seltener, malerischer Ausdrucksfähigkeit, auch eine zarte, feinfühlige 
Seele. Seine Bilder wirken erlebt und geschaut, nicht gewollt und 
gemacht. Für ihn liegt etwas Anmuthiges in den feinen, sich 
krauselnden Dampfvuölkclieii, die dem Theekessel entströmen, etwas 
Liebliches in der Eintracht der um den Tisch versammelten Familien- 
glieder, etwas "Frauliches in dem brodelnden Wasser und dem 
schnurrenden Feuer im Ofen. Behandelte ein Franzose die gleichen 
Stoffe, so würde man geschickt studirte Lichteffekte bewundern. 
Johansens Werke wirken wie ein Moment der Existenz, wie die Er- 
innerung an etwas Trautes, Familiäres, in schlichtem, zum Herzen 
sprechenden Ton erzählt. 
Auf einem seiner Bilder der Kopenhagener Ausstellung führte 
er in eine behäbige Stube mit Blattpflanzen, Kupfeitellern, Blumen- 
ständern, einem Pianino, einem runden Tisch und altmodischen 
Sopha, wo sechs dänische Maler gemüthlich zusammensassen. Der 
gedämpfte Schein der Lampe beleuchtete die Personen und liess das 
übrige Zimmer in feinem Halbdunkel liegen. Kein holländischer 
Kleinmeistei" hätte die Reüexe des? Lampenlichtes, die auf diesen
        

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