Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1626771
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DÄNEMARK 
Reparatur an seinen Unaussprechlichen vorzunehmen  ein römischer 
Strassenbarbier, der während der Arbeit mit einer zum Fenster heraus- 
sehenden Schönen liebäugelt, waren seine ersten Treffer. Bald darauf 
entdeckte er  gleichzeitig mit Grützner  die Komik des Mönchs- 
lebens und wurde nicht müde, Mönche, die Gänse rupfen oder zur 
Linderung ihrer Zahnschmerzen Kräutersäckchen auflegen; Mönche, 
die schwerhörig sind, sich aber trotzdem Skandalgeschichten erzählen, 
u. dgl. dem Publikum zur Erheiterung vorzuführen. 
Selbstverständlich liessen ihn in Italien auch die Lorbeeren 
des Historienmalers nicht schlafen. Simson in der Mühle bei den 
Philistern, jairi Töchterlein, Simson und Delila, die Befreiung des 
Prometheus  waren Bilder von einer technischen Virtuosität, wie 
sie die dänische Malerei bisher nicht aufwies, und machten in Blochs 
Heimath desto mehr Aufsehen, weil man dort eine sgrosse KllnSta 
noch nicht gehabt hatte. Der Fremde geht in der Galerie von 
Christiansborg ziemlich gleichgültig an Blochs Arbeiten vorüber: die 
liebenswürdigen Eigenschaften der ältern dänischen Malerei, ihre 
schlichte Poesie und innige Vertiefung haben sie nicht mehr, und 
was sie haben, ist nur ein Refiex dessen, was damals Frankreich 
und Deutschland auch produzirte. Die 22 Bilder aus der Geschichte 
Christi, die er x86; im Auftrage jacobsens für eine Kapelle des nach 
dem Brande neu erbauten Schlosses Frederiksborg malte, könnten 
etwa von Gustav Richter herrühren. Sein sKanzler Niels Kaas, der 
auf dem Sterbelziger seinem jungen Mündel, dem Prinzen Christian, 
die Schlüssel zu dem Gewölbe tibergibt, in dem die Reichskleinodien 
bewahrt werdena und wKönig Christian als Gefangener auf dem 
Sönderborger Schlosser verhalten sich  auch in ihren anilinartigen 
Farben  zu den ältern dänischen Bildern etwa wie ein Piloty zu 
einem Spitzweg. Es sind Arbeiten eines unterrichteten, verständigen 
Künstlers, der anderwärts viel gesehen hat und es nun auch kann. 
Dafür fehlt jedes künstlerische Temperament und jede Eigenart. Die 
Köpfe seiner Figuren sind wie bei Piloty stark unter den Gesichts- 
punkt des Schönen gestellt, und die Gedanken, die hinter ihrer ge- 
waltigen Stirn wogen, sind dieselben, wie sie Columbus bei der Ent- 
deckung Amerikas oder der sterbende Milton in der gesammten 
Historienmalerei zu haben pflegten. Sein vIüU-Zflelll" aus Christians IV. 
Zeita  eine junge Dame, die aus dem Bette steigt, während ein Hund 
ihr den Pantoffel entftlhrt  würde etwa Schrader Ehre machen. 
Dass er wirklich ein feiner Künstler war, wenn er davon absah,
        

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