Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1626489
DÄNEMARK 
manns Theorien in Kopenhagen bekannt gemacht. Der Maler Abild- 
gaard, ein allseitig gebildeter, grundgelehrter Akademiker, sah in 
den italienischen Renaissancemeistern, besonders in Michelangelo, 
seine Ideale Unter diesen Männern bildeten sich Asmus Carstens und 
Bertel 'l'horwaldsen, die einen so wichtigen Beitrag zu Europas Kunst- 
entwicklung lieferten. 
War diese erste Periode der dänischen Kunst französisch oder 
classicistisch, jedenfalls importirt, ohne individuelles Gepräge, so leitete 
mit lickersberg die nationale Epoche der dänischen Malerei ein, geb 
bildet von einer Gruppe von Männern, die auf ihrem Boden standen, 
nur dänische Natur und dänisches Leben schilderten. Die Betrachtung 
ihrer Bilder bereitet dem Auge wenig ästhetische Freude. Die Aus- 
führung fast aller ist spitz und ängstlich, die Darstellung der Formen 
kleinlich, die Farbe trocken und glanzlos. Doch der Emplintltmgs- 
gehalt versöhnt mit der technischen Dürftigkeit. Zu einer Zeit, die 
geistloses Reproduciren alter GCLlLlHkCH und alter Culturformen Ideal- 
ismus nannte, waren die Dänen die ersten selbständigen Naturalisten, 
in einer Zeit, da die Kunst die Dinge fast nur durch das Medium 
der Literatur sah, erwiesen sie sich im eigentlichen Sinne als Maler 
und brauchten deshalb später den grossen Befreiungskanipf, der überall 
anderwärts zu bestehen war, nicht durchzukiünpfen. Sie hatten nicht 
nöthig allmählich zu lernen, dass man die Natur auch ohne con- 
ventionelle Anordnung künstlerisch wiedergeben könne, brauchten 
nicht belehrt zu werden, dass es bessere WVelten als den gewöhnlichen 
Genrehnmor gebe. Denn sie versenkten sich gleich Anfangs in die 
Wirklichkeit, statt von oben herab darüber zu witzeln und wurden 
durch ihren geübten Blick für das Malerische, auch vor schwülstiger 
DorfgeschichtenSentimentalität bewahrt. Wie die holländische Kunst 
im 17. Jahrhundert, hat die dänische treu nach der NÜIUY gearbeitet, in 
tiefer, achtungsvoller Liebe zu dieser nichts geben wollen, als die 
Natur selbst in einfacher, wahrheitsgetreuer persönlicher Auffassung, 
und während jene pseudoitleatlistischen oder novellistischen Werke des 
Continents später aus der Malerei verschwanden, sind diese dänischen, 
da sie frische, naturalistische Keime in sich aufnahmen, noch heute, 
obzwar altmodisch, doch nicht veraltet, ja beherrschen in ihrer Grund- 
anschautmg theilweise noch die. lebende dänische Kunst. 
Clzrislolblzer pVlifllßflll Eclrersberg war in manchem Betracht ein 
merkwürdiger Künstler. Als 'l'echniker fast antediluvianiscli: alt- 
modisch in seinen harten und scharfen Porträts, altmodisch in seinen
        

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