Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1626403
XXXIX. 
LAND 
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jongkind ist eine Persönlichkeit für sich geblieben, der allge- 
meinen Bewegung in seiner Art gefolgt. Er liebte das Wasser und den 
tharuigen Morgen, das feuchte Grün, den in bleichen Strahlen erglänz- 
enden und von silbernen Wolken durchzogenen Mondhinmiel. Was er 
gibt, ist immer" ganz unmittelbare Uebertragung persönlicher Eindrücke. 
Manchmal lasst er  obwohl breiter und impressionistischer, an den 
alten van der Neer tienken, dem es auch der Mond angethan hatte 
und der sich Nachts so gern in der Gegend von Amsterdam und 
Utrecht herumtrieb. Gleich den alten Niederländern, fühlt sich jong- 
kind am wohlsten in Gegenden, die dem Menschen nahe sind. Die 
Hiiuser, die Schiffe, die Windmühlen, die Strassen und Dorfmarkt- 
platze, alle Landstriche mit Spuren menschlicher Tlhiitigkeit sind ihm 
lieb. In Paris malte er das Leben des Pont Neuf, die vom bleichen 
pLicht des Mondes und von tausend Gaslaternen tunstrahlten Häuser 
am Seineufer, die alten Kirchen und winklichen Gassen des Quartier 
latin, das kahle, noch werdende Terrain neu angelegter Vorstiidte, 
die Thiitiglteit der Strassenreiniger im Morgengranen. Er kannte, wie 
kein Anderer, die verlorenen Winkel des alten grauen Paris und 
diese noch heute fast kleinstätltische Bevölkerung. In der Normandie 
reizt ihn die Urwüchsigkeit des Seelebens. Aus Holland, wohin ihn 
seine Erinnerungen oft führen, bringt er Momentaufnahmen von 
Caniilen mit, wo trübes Wasser um dunkle Barken plätschert, von 
nebligen Dörfchen, wo die Sonne schüchtern auf rothen Dächern 
spielt, von Windmühlen auf grünen NViesen, von feuchten Weide- 
pliitzen, schummerigen Montitttifgängen und frischen Morgenstimm- 
ungen, wie sie Goyen liebte. Im Nivernois um 1860 malte er die 
blassgrtitien Sandwege, weisse, von greller Sonne beschienene Bauern- 
häuser, das vibrirende Rieseln der Sonnenstrahlen durch die trockenen 
Blätter herbstlicher Bäume; in Brüssel, in Toulon die kleinen wink- 
ligen Gassen mit ihrem bewegten wimmelndcii Strassenleben. Seine 
Mache ist breit und zart, ltriiftig und pikant zugleich. Alles hat das 
zuckende Leben der Skizze. 
jongkinti war Schüler lsabeys und erhielt schon im Salon 1832 
eine dritte Medaille. Seitdem vwiesen die Jurys seine Bilder zurück, 
erst auf der Wleltzitisstelltmg 1889 trat er in seiner Bedeutung her- 
vor. Gewöhnlich construirte er seine Landschaften noch, übernahm 
von den alten Holländern die Lust an architektonischem Aufbau, be- 
mühte sich, seine Bilder zu nCOl11pOnll'C1'1(4, die Biiume, die Schiffe, die 
Hiinser, die Menschen möglichst so zu stellen, dass ein abgerundetes 
Muther, Moderne Malurei III.
        

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