Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1626356
XXXIX. 
HOLLAND 
Augen und runzlichen, wettergebriiunten Gesichtern, hier lernt das 
arme Bauernlaind in seinem Gehstuhl laufen, hier hat sich die 
Familie des Fischers um eine Schüssel rauchender Kartoffeln vereint. 
Wenige haben das Milieu, in dem die Figuren sich bewegen, so 
zu ihrem Studium gemacht wie Israels, wenige in dem Grade em- 
pfunden, dass jeder Gegenstand in der Natur wie im Leben seine 
eigene Atmosphäre hat, aus der herausgerissen er nicht bestehen 
kann. In seinen Bildern deckt sich Atmosphäre und Inhalt. Auch 
in der Wirklichkeit verläuft das Dasein dieser armen Leutein- dunkler 
Dämmerung, nur zuweilen von einem flüchtigen Sonnenstrahl erhellt, 
bis es allmählich ganz dunkel wird und der Tod seinen geheimniss- 
vollen Schatten über ihr Leben wirft. 
Doch hier macht man nur die Bekanntschaft des einen Israels. 
Derselbe melancholische Lyriker ist ein urwüchsig kräftiger Künstler 
in seinen Fischerbildern. Mit welch grandioser Einfachheit malte er 
in seinen sTravailleurs de la mem dies unendliche drohende graue 
Element unter bleiernem Himmel, diese wettergebriiunten riesigen 
Seeleute, die mit schwerem Anker auf der Schulter, von Wogen 
umspritzt durch's Wasser waten. Und welche naive Heiterkeit lebt 
in seinen Kinderbildern. Duranty hat fein von einem Bilde des 
Meisters gesagt, es sei mit nSehatten und SClIIDCTZa gemalt, diese 
andern malte er mit sSonne und Freudea. Wie den Tod mit seinen 
dunkeln grauen Schatten, besingt er auch das junge Leben in der 
ganzen lachenden Freiheit der Natur. Seine Fischerkinrler sind ge- 
sund und blond und haben rothe Backen. Sie bewegen sich am 
frischen heitern Meer, dessen zitternde Wogen unter kosenden 
Sonnenstrahlen wollüstig ZILIfSChEILItlCTH, und unter einem blauen, von 
weissen Wölkchen durchzogenen Himmel, der klar auf üppig grüne 
Felder herabblickt. 
Israels ist unter den Modernen einer der grössten, kräftigsten 
Maler und zugleich ein tiefer zarter Poet. Im Pariser Salon, um- 
geben von all den geschickten virtuosen Technikern, erscheint er 
als ein Künstler, dessen Empfindung tief genug ist, auch ohne 
jongleurstücke einen grossen Eindruck zu erzielen. Keiner ver- 
steht so, die Arbeit des Pinsels der allgemeinen Stimmung unterzu- 
ordnen. Er ist ein naiver Dichter, gross in der NViedergabe der 
niedrigen Leute und der kleinen Dinge, ein Künstler, der in engem 
Kreis sich bewegt, diesen aber in seiner ganzen Intimität durch- 
dringt, ein Mann, der etwas gefühlt hat im Leben und deshalb auch
        

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