Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert
Person:
Muther, Richard
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1624040
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1626233
XXXIX. 
Holland. 
ST Belgien das Vaterland der Technik, so hat in Hollands Malern 
I die Intimität modernen Naturfühlens vielleicht die zartesten 
Interpreten gefunden. Dort überwiegt das Aeusserliche  das 
Oel und der Pinsel; hier decken Herz sich und Hand, Empfindung 
und Technik. Der Ahn der belgischen Malerei ist Courbet, die 
Geburtsstunde der holländischen Eillt mit jenem grossen geschicht- 
lichen Moment zusammen, als die französischen Landschztfter, nach- 
dem ihnen im Louvre das Verständniss der alten Holländer atufk 
gegangen, sich im Wald von Fontainebleau ansiedelten. Was in den 
anderen Ländern eine Revolution gewesen, bedeutete hier nur eine 
Evolution. Der Einfluss der Franzosen auf die Holländer bestand 
bloss darin, dass sie ihnen von Neuem das Verstiindniss für die 
schönen Werke der eigenen heimischen Vergangenheit eröffneten. 
Eine Reihe grosser delicater Geister nahm einfach die tinterbrochene 
alte Tradition wieder auf und leitete sie mühelos in die Gegenwart 
herüber. 
Bis zur Mitte des Jahrhunderts hatten die Holländer mit dieser 
Erbschaft sehr schlecht gewuchert. Der Spiritus, selbst der von 
Dow und Mieris, war verflogen und nur das Phlegma geblieben. 
Die Maler des 18. Jahrhunderts suchten in armseliger Nachahm- 
ung die minutiöse Kleinmalerei des Netscher zu überbieten, hatten 
bourgeoisiemiissige Reinlichkeit der Linien, die Mache des Zeichen- 
lehrers auf ihre Fathne geschrieben. Im Beginne des I9. Jahrhunderts 
war man  soweit überhaupt etwas entstand  in die schwere und 
mühselige Nachahmung der französischen Classicitiit verfallen und 
hierauf ein wenig vom Flügelschlag des Romantismus berührt worden, 
der mit dem holländischen Phlegmzi eine recht komische Mesalliance 
eingingj Die Vertreter der holländischen Schule von 1830, pseudo- 
idealistisch, trocken und unkünstlerisch, lieferten in der Landschaft 
nur Decorationsstücke ohne Atmosphäre, im Figurenbild historische
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.